Wenn das Gästezimmer der Schutzraum ist – Als Deutsche im Krieg in Israel

Wenn das Gästezimmer der Schutzraum ist – Als Deutsche im Krieg in Israel

Dieses Haus in Tel Aviv wurde von einer iranischen Rakete getroffen. Alle Fotos: privat

Niemand plant, während einer militärischen Eskalation als Besucher in Israel zu sein. Wenn es doch passiert, hat man schnell zu entscheiden. CSI-Mitarbeiterin Raquel Schwaerzler erlebte bereits den Beginn des Zwölf-Tage-Krieges im vergangenen Sommer mit einer CSI-Reisegruppe in Israel, gefolgt von der abenteuerlichen Evakuierung über Ägypten. Als nun der Irankrieg „Roarong Lion” losging, war sie gerade wieder im Land. Dieses Mal entschied sie sich zu bleiben.

Von Raquel Schwaerzler

„Da hast du dir ja eine schöne Zeit für Israel herausgesucht! Es tut mir so leid für dich!“, begrüßt mich Nava vor ihrer Wohnung. Nava ist eine gute Freundin meiner Kollegin Delly. Sie und ihre Familie leben schon lange in Tel Aviv und haben mir angeboten, einige Tage bei ihnen zu wohnen.

Trotz des Krieges feiern wir am nächsten Tag im kleinen Kreis den 65. Geburtstag von Gidon, Navas Ehemann. Seine jüngste Tochter hat einen besonderen „Peace Cake“, einen „Friedenskuchen“ gebacken: Jeder bekommt ein „Piece“, ein Stückchen – ein englisches Wortspiel. Obwohl die Situation alle sehr belastet, verlieren sie ihren Sinn für Humor nicht. Es ist Purim, deswegen gibt es zum Geburtstagskuchen auch Haman-Taschen, die traditionellen gefüllten Purim-Kekse, die an das Ende des Widersachers der Juden in der biblischen Esther-Geschichte erinnern.

Traditionelle Haman-Taschen zu Purim: Die Familie macht das Beste aus der Situation, auch im Schutzraum.

Bei Alarm alle ins Gästezimmer

Mein Gästezimmer ist das Mamad, also das „Bunkerzimmer” der Wohnung. In neueren Gebäuden ist ein solcher Schutzraum direkt in die Wohnung eingebaut. Wenn Alarm ist, kommen alle zu mir ins Zimmer – inklusive Katze. Und es ist oft Alarm.

Während die Sirenen heulen, versuchen wir, über andere Dinge als Krieg zu sprechen. Wir überlegen, was wir zum Abendessen kochen könnten, lachen über kulturelle Unterschiede zwischen Deutschen und Israelis oder meine Gastfamilie bringt mir neue hebräische Wörter bei.

Navas Tochter erzählt mir, wie wütend sie war, als der Krieg begann. Natürlich wünschen sich auch meine Gastgeber, dass die Menschen im Iran eines Tages vom Regime der Mullahs befreit werden. Und doch höre ich von vielen, dass sie es müde sind, seit zweieinhalb Jahren immer wieder in neue Kriegssituationen zu geraten. Die Angst ist ein häufiger Begleiter geworden; das Leben hat seine Unbeschwertheit verloren.

Bei Alarm wird das Gästezimmer zum Schutzraum für die ganze Familie samt Katze.

Erschöpft, aber nicht allein

Ich bin beeindruckt, wie Gidon und seine Tochter trotz der Umstände und des Schlafmangels immer noch in Vollzeit arbeiten. Aber ich merke, dass auch sie sehr müde und erschöpft sind. Es ist nicht nur der Schlafmangel, sondern auch die ständige Anspannung in der Luft: Wann kommt der nächste Alarm? Wird die nächste Rakete erfolgreich vom Iron Dome abgefangen? Wie lange wird dieser Krieg noch gehen?

Als heute wieder die Sirene erklingt, sagt Nava zu mir: „Ich kann nicht glauben, dass das unsere Normalität ist. Andere Menschen leben in sicheren Ländern und für uns ist das hier die Realität, tagaus, tagein.“ Ein Satz, der mir nicht aus dem Kopf geht. Und der mich daran erinnert, wie wichtig es ist, unseren Freunden in Israel zu zeigen, dass sie nicht allein sind: sei es durch unser Gebet, durch eine Solidaritätsbotschaft – oder eben persönlich vor Ort.

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