Senioren im Krieg: Wenn der Weg zum Bunker zu beschwerlich ist

Senioren im Krieg: Wenn der Weg zum Bunker zu beschwerlich ist

Die Zeit vergeht langsam im Bunker. Helfer versuchen, die Zeit insbesondere für die betagten Menschen zu verkürzen. Foto: privat

Valentina ist 79 Jahre alt. Vor 15 Jahren wagte sie einen Neuanfang und wanderte aus dem ukrainischen Odessa nach Be’er Sheva in Israel aus. Ihre Kinder blieben damals zurück – inzwischen sind sie vor dem Krieg in der Ukraine nach Polen geflohen. Doch jetzt ist es ihre Mutter, die mit Sirenenalarm und akuter Kriegsgefahr lebt.

Von Keren Haysod und Anemone Rüger

Bis vor kurzem war ihr Alltag ruhig. Valentina ging morgens zum kleinen Markt um die Ecke, kannte die Verkäufer beim Namen und unterhielt sich mit den Nachbarn im Haus. Doch seit Beginn der jüngsten Raketenangriffe aus dem Iran hat sich ihr Leben völlig verändert. In vielen Städten Israels ertönen derzeit regelmäßig Luftsirenen, weil Raketen und Drohnenangriffe erwartet werden oder bereits unterwegs sind. „Wenn die Sirene kommt, habe ich nur wenige Minuten“, sagt sie.

Valentinas Wohnhaus wurde vor Jahrzehnten gebaut und verfügt über keinen eigenen Schutzraum. Wenn die Sirene ertönt, muss Valentina mit ihrem Gehstock schnell die Treppen hinuntergehen und den öffentlichen Schutzraum in der Nähe erreichen. Für eine Frau ihres Alters ist das jedes Mal ein Wettlauf gegen die Zeit.

In den ersten Tagen der Angriffe war die Situation besonders schwierig. Von Samstag bis Montag verbrachte Valentina die Nächte im öffentlichen Schutzraum, weil die Sirenen einfach zu häufig losgingen, um immer wieder in ihre Wohnung zurückzukehren. „Kaum war ich wieder oben, begann schon die nächste Sirene“, erzählt sie.

Bleiben oder Fliehen?

Viele ihrer Nachbarn – vor allem junge Familien mit Kindern – sind in dieser Zeit zu Verwandten gezogen, die Wohnungen mit eigenen Schutzräumen haben. „Das verstehe ich natürlich“, sagt Valentina. „Mit kleinen Kindern ist das noch viel schwieriger.“ Für sie selbst gibt es diese Möglichkeit jedoch nicht. Und es ist nicht das erste Mal, dass sie in dieser Situation ist. Schon im vergangenen Jahr, während des Zwölf-Tage- Krieges zwischen Israel und dem Iran, heulten die Sirenen mehrmals täglich. Der Iran hatte damals hunderte Raketen und Drohnen auf Israel abgefeuert, nachdem Israel iranische Militärziele angegriffen hatte. 

„Ich wusste, wie gefährlich das ist“, sagt Valentina. „Aber ich hätte es körperlich einfach nicht mehr geschafft, jedes Mal den Weg in den Schutzraum zu laufen.“ Also blieb sie damals manchmal in ihrer Wohnung. „Ich habe gebetet und gehofft.“

Heute sitzt sie während der Sirenen auf einer Matratze im Schutzraum neben anderen älteren Nachbarn. Manche sprechen russisch miteinander, teilen Wasser oder helfen sich gegenseitig, wenn jemand Schwierigkeiten hat rechtzeitig anzukommen. In den ersten Tagen gab es dort kaum Ausstattung – keine Matratzen, kaum Licht, nur kalte Betonböden. Dann kam Hilfe.

Freiwillige brachten Matratzen, Decken, Beleuchtung und Notausrüstung in den Schutzraum. Ein Generator sorgt jetzt für Licht und Strom, und die Menschen können die Stunden dort wenigstens etwas erträglicher verbringen. „Es klingt vielleicht nach Kleinigkeiten“, sagt Valentina. „Aber für uns bedeutet es alles.“

Und dann sagt sie einen Satz, der lange nachhallt: „Diese Hilfe schützt vielleicht nicht nur unser Leben – sie zeigt uns auch, dass wir nicht allein sind.“

Hilfe ermöglichen

Auch Keren Hayesod organisiert gemeinsam mit der Jewish Agency (beide sind Partnerorganisationen von Christen an der Seite Israels), lokalen Behörden und dem israelischen Zivilschutz eine schnelle Notfallhilfe für besonders gefährdete Gemeinden. Ziel ist es, bestehende Schutzräume und öffentliche Räume so auszustatten, dass sie im Ernstfall Schutz bieten können.

Die benötigte Unterstützung umfasst unter anderem:

  • Ausstattung von Schutzräumen mit Matratzen, Decken, Generatoren, Beleuchtung und Notfallausrüstung
  • Einrichtung von provisorischen Schutzräumen in Tiefgaragen oder öffentlichen Gebäuden
  • Psychologische Betreuung für Kinder und Erwachsene nach Raketenangriffen
  • Notfallpakete für evakuierte Familien, die ihr Zuhause verloren haben

Diese Maßnahmen helfen unmittelbar dabei, Leben zu schützen und besonders gefährdete Gemeinden in Krisenzeiten zu stabilisieren. Und sie zeigen Menschen wie Valentina, dass sie nicht allein sind.

Helfen Sie unseren Partnern vor Ort, dass Menschen im Krieg Schutz, Betreuung und Hilfe erhalten? Jede Spende zählt!

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