Einst war er Benjamin Netanjahus Bürochef, nun ist er selbst Premierminister. Naftali Bennett ist religiös, Millionär und mit 49 Jahren Israels zweitjüngster Premier. Wer ist der Mann an der Spitze der neuen israelischen Regierung?

Naftali Bennett wird 1972 als Sohn amerikanischer Eltern in Haifa geboren. Er studiert Rechtswissenschaften an der Hebräischen Universität Jerusalem und macht beim Militär Karriere. 1999 wird er Mitbegründer von „Cyota“, einem High-Tech-Unternehmen für Online-Informationssicherheit. Die Firma wird 2005 für 145 Millionen Dollar an ein amerikanisches Unternehmen verkauft, was Bennett mit 33 Jahren zum Multimillionär macht. Seit 1999 ist er mit der Chefköchin und Konditorin Gilat verheiratet. Das Paar hat vier Kinder.

Nach dem Libanonkrieg 2006 betritt Bennet das politische Parkett und wird Chef im Stab des damaligen Oppositionsführers Benjamin Netanjahu. In dieser Funktion leitete er den innerparteilichen Wahlkampf des Likud-Blocks, aus dem Netanjahu 2007 als Vorsitzender hervorgeht. 2009 wird Bennett Generaldirektor des „Jescha-Rates“ – einer Dachorganisation für die jüdischen Städte und Gemeinden in Judäa und Samaria. Hier setzt er sich vor allem für die Aufhebung des Baustopps in den umstrittenen Gebieten ein.

Im Frühjahr 2012 beendet Bennett seine Mitgliedschaft in der Likud-Partei und tritt der national-religiösen Partei „HaBait HaJehudi“ (Jüdisches Haus) bei. Bereits im November desselben Jahres wird er zum Vorsitzenden gewählt. Bei den Wahlen zur 19. Knesset im Jahr 2013 führt er die Partei zu einem historischen Erfolg – sie kann sich von drei auf 12 Knesset-Sitze verbessern. Bennett wird Wirtschaftsminister, Minister für religiöse Angelegenheiten sowie Minister für Jerusalem und Diaspora-Angelegenheiten. 2015 wird er Bildungsminister.

Ist mit 49 Jahren der zweitjüngste Premier in der Geschichte Israels: Naftali Bennett. Foto: Flash90

Doch Ende 2018 tritt Bennet zusammen mit Justizministerin Ajelet Schaked aus dem Likud aus. Die beiden gründen gemeinsam mit der Abgeordneten Schuli Moalem-Refaeli die Partei „HaJamin HeChadasch“ („Die Neue Rechte“), schaffen damit im April 2019 aber nicht den Einzug in die Knesset. Bei den Parlamentswahlen im Juli 2019 bildet „Die Neue Rechte“ mit dem Parteienbündnis „Union der rechten Parteien“ das politische Bündnis Jamina. Dieses zieht in die Knesset ein, Bennet wird Verteidigungsminister. Nach der Parlamentswahl im März 2020 ist Bennett nicht mehr in der Regierung vertreten. Trotz vieler Gemeinsamkeiten war es über die Jahre zum Zerwürfnis mit Netanjahu gekommen.

Nachdem Premier Netanjahu nach der Parlamentswahl im März 2021 mit der Regierungsbildung scheitert, einigen sich der Vorsitzende der Partei „Jesch Atid“, Jair Lapid, und Bennett auf die Bildung einer Regierung. Lapid lässt Bennett den Vortritt und dieser wird Premier. Im September 2023 soll er dann das Amt an Lapid abtreten.

In der internationalen Presse wird Bennett gerne als Hardliner bezeichnet. Er selbst behauptet von sich, weiter rechts zu stehen als Netanjahu. Einen palästinensischen Staat lehnt er ab und plädiert für die Ausweitung der israelischen Souveränität auf weite Teile von Judäa und Samaria.

„Werde die meistgehasste Person im Land sein“

Von Netanjahu und vielen Wählern des rechten Lagers wird Bennet nach dem Regierungsschluss als Verräter angesehen. Denn im Wahlkampf hatte der Jamina-Chef eine Koalition mit den Linken und mit arabischen Parteien kategorisch ausgeschlossen. Seinen Kindern habe er nun gesagt, dass ihr Vater die meistgehasste Person im Land sein werde. „Aber ich habe ihnen erklärt, dass ich es zum Wohle ihres Landes tue“, so Bennett laut der Onlinezeitung „Times of Israel“.

In seiner Antrittsrede findet der neue Premier für seinen einstigen Mentor Netanjahu und dessen Ehefrau Sara lobende Worte: „Ich habe sie aus nächster Nähe erlebt, wie sie in umfangreichen Sicherheitsberatungen bis spät in die Nacht hinein Untersuchungen, Nachforschungen und Überlegungen anstellten, aus einem Gefühl der großen Verantwortung heraus. Benjamin und Sara Netanjahu, über die Jahre waren wir nicht immer einer Meinung, aber wir haben beide auf persönlicher Ebene viel geopfert, um unserem Volk, dem Volk Israels, zu dienen. Dankbarkeit auszudrücken ist ein fundamentales Prinzip im Judentum. Dies ist die Zeit für das Volk, um ihnen danke zu sagen.“

Naftali Bennett ist Israels erster Premierminister, der regelmäßig eine Kippa trägt. Die runde Kopfbedeckung signalisiert die religiöse und politische Identität ihres Trägers. Mit der kleinen, am Hinterkopf getragenen, gehäkelten Kappe weist sich Bennett als Anhänger des modernen orthodoxen Judentums aus.

Von: Dana Nowak