Das Abwehrsystem Eisenkuppel fing etwa 380 Raketen aus dem Gazastreifen ab. Foto: Israelische Armee, Twitter

Nach dem Militärschlag im Gazastreifen stellt der israelische Premier Lapid den Palästinensern bessere Lebenschancen in Aussicht. Sein besonderer Dank gilt Ägypten.

Nach dem relativ zügigen Ende der Militäroperation „Anbrechende Morgendämmerung“ hofft Israel auf weitere Verhandlungserfolge. Ein nicht genannter Militärvertreter sprach gegenüber der Nachrichtenseite „Times of Israel“ von einer Chance, die im Nachgang der Militäroperation bestehe. Dabei gehe es um die Freilassung zweier in Gaza festgehaltener Zivilisten und die Herausgabe zweier Leichen von Soldaten.

Indes dementierte Israel Meldungen, denen zufolge Israel Gefangene der Terror-Organisation „Islamischer Dschihad“ herausgibt. Ein Kandidat wäre Chalil al-Awada gewesen, der sich aus Protest gegen seine Verwaltungshaft im Hungerstreik befindet. Ein weiterer Kandidat wäre Bassem al-Saadi gewesen. Seine Festnahme am vergangenen Dienstag hatte die Bedrohungslage der vergangenen Tage ausgelöst.

Lapid: Würdiges Leben ist möglich

Der israelische Regierungschef Jair Lapid (Jesch Atid) dankte bereits am Sonntagabend dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi für die Vermittlung in dem Konflikt. Ägypten nehme bei der Stabilisierung der Lage eine wichtige Rolle ein. Al-Sisi sprach dabei laut israelischem Regierungsamt die „palästinensische Sache“ an. Lapid erklärte, aus seiner Sicht sei es wichtig, die wirtschaftliche Lage der Palästinenser zu verbessern.

Am Montag wandte sich Lapid dann direkt an die Palästinenser. In einer Videoansprache sagte er, die Zukunft liege in ihren eigenen Händen: „Wir werden uns zu verteidigen wissen gegen jeden, der uns bedroht. Aber wir geben auch denen Arbeit, ein Einkommen und ein würdevolles Leben, die in Frieden mit uns leben wollen.“

Womöglich stößt Lapid mit seiner Botschaft auf mehr offene Ohren als bislang. In einem seltenen Interview sprach eine Frau aus dem Gazastreifen über das Stimmungsbild. Die namentlich nicht genannte Palästinenserin sagte dem israelischen Sender „Kanal 12“, dass die Unterstützung sowohl für die Terror-Organisation Hamas als auch für den „Islamischen Dschihad“ schwinde. „Die einzigen, die zertrümmert werden und etwas verlieren, sind die Leute von Gaza, nicht die Führer“, erklärte sie.

Falsche Schuldzuweisung

Am Montag befasste sich auch der UN-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung mit dem Thema. Die amerikanische Botschafterin Linda Thomas-Greenfield wies darauf hin, dass viele Raketen des „Islamischen Dschihad“ auch die eigenen Zivilisten trafen. Ein Mädchen war bei einem Einschlag im Flüchtlingslager Dschabalia umgekommen; für ihren Tod wurde zunächst Israel verantwortlich gemacht.

Nach Angaben der Armee hat der „Islamische Dschihad“ vom Beginn der Militäroperation am Freitagnachmittag bis Sonntagabend 1.100 Raketen auf Israel abgefeuert. Davon schlugen 200 im Gazastreifen ein. Insgesamt wurden 51 Menschen im Gazastreifen getötet, davon 24 „Dschihad“-Terroristen und 11 Zivilisten. 16 Einwohner seien durch Fehlschüsse der Terroristen getötet worden.

Mit der Militäroperation verband Israel das Ziel, die „unmittelbare Bedrohung“ durch den „Islamischen Dschihad“ zu beseitigen. Zu Beginn der Operation tötete die Armee am Freitag den Kommandeur Tajsir Dschabari, der Anschläge in Israel geplant haben soll. Am Samstag tötete die Armee Chaled Mansur, der für das Südkommando der Terrorgruppe zuständig war. Mit den Schlägen hat das Militär nach Einschätzung von Experten die Führungsriege des „Islamischen Dschihad“ ausgeschaltet. (Israelnetz/Redaktion)