„Alles Gute und Gottes Segen”, „Gott segne dich” … Im christlichen Kontext
wünschen wir einander oft „Gottes Segen”, und das ist sehr gut. Doch wissen wir
überhaupt genau, was wir damit meinen? Woher kommt denn dieser Segen
Gottes?

 

„Lech, lecha! Auf, Abram, los geht´s. Mach dich auf die Socken!“ Damit beginnt die
Geschichte, die bei Abram/Abraham anfängt und im neuen Jerusalem endet: die sog.
Heilsgeschichte.

Gott fordert Abraham auf, sein Vaterland zu verlassen. Er soll in ein anderes Land ziehen,
das Gott ihm zeigen wird und das er ihm und seinen Nachkommen geben wird. Doch soll
Abraham nicht einfach ein Stück Land bekommen. Aus ihm soll auch ein Volk hervorgehen.
Volk und Land ergeben zusammen eine Nation. Gott will also eine Nation gründen – Israel –
und diese Nation soll zum Segen werden. Zum Segen für die ganze Welt. Das ist die Idee
(1. Mose 12,1-7).

Was bedeutet Segen? Segen ist, um es einfach zu sagen, all das, was man sich aus der
Hand eines gütigen Gottes vorstellt: Versorgung, Frieden, Wohlergehen, Kraft, Gesundheit,
Gelingen, Rückenwind, Hilfe, Rettung, Glück, Erfolg u.a.m. Als Form des Gerichts gibt es
aber auch den Fluch. Fluch ist genau das Gegenteil von Segen. Manchmal stellt sich Gott
uns entgegen, weil wir in der falschen Richtung unterwegs sind. Dann bekommen wir
Gegenwind von ihm.

Im Neuen Testament gibt es noch eine weitere Form des Segens. In Eph 1,3 heißt es:
„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem
geistlichen Segen im Himmel durch Christus.“ Was ist geistlicher Segen? Das sind all die
Segensformen, die wir durch Jesus haben: Vergebung, Kindschaft, ewiges Leben, eine
lebendige Beziehung zu Gott, den Heiligen Geist usw. Jede Form von Segen kommt
generell von Gott. Doch muss der Empfänger auch des Segens würdig sein – ich komme
darauf zurück.

In 1. Mose 12,1-3 ist ganze vier Mal vom Segen die Rede. Segen ist also ein großes
Thema, das mit der Berufung Abrahams/Israels einhergeht.

1.Gott sagt zu Abraham: „Ich will dich segnen.“ Segen ist notwendig, damit das
Israelprojekt überhaupt was wird und es Israel gut geht. Israel soll ein gesegnetes Volk
sein.

2.„… und du sollst ein Segen sein.“ Gottes Ziel ist es nicht, Israel zu bevorzugen und die
andern Völker zu verachten. Israel soll Kanal des Segens Gottes sein. Israel soll zum Segen
werden.

3.„Ich will segnen, die dich segnen.“ Auch andere werden gesegnet, jedoch vor allem die,
die Israel segnen. Wer sich aber gegen Israel stellt, wird verflucht und hat Gott gegen sich.

4.„… und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.“ Hier ist die ganze
Menschheit im Blick. Der Segen wird um die Erde laufen. Für Abraham war das sicher
unvorstellbar.

Wie kann man sich Israels Segen vorstellen? Eine heiße Spur ist Römer 9,1-5. Da zählt
Paulus auf, womit Israel gesegnet ist. Was den Juden nicht alles gehört! Die Kindschaft, die
Herrlichkeit, die Bündnisse, die Tora, der Gottesdienst, die Verheißungen, die Väter und
der Messias. Das wäre ein Thema für sich.

Wie ist Israel zum Segen geworden? Da kann man an ganz irdische Dinge denken. Nur ein
Beispiel: Israel hat im Verhältnis ca. 100x so viele Nobelpreisträger hervorgebracht wie
jedes andere Land. Das ist ein Segen. Doch der geistliche Knackpunkt ist aus meiner Sicht,
dass Gott sich in und durch Israel geoffenbart hat. Israel ist das Volk, das mit Gott in
direkter Verbindung steht. Jede Offenbarung Gottes – von der Tora über die Propheten bis
hin zum Messias Jesus und zum Neuen Testament – hat Gott Israel geschenkt. Nur hier
kann man Offenbarung Gottes finden. All die anderen Völkern haben lediglich menschliche
Erfindungen hervorgebracht wie Religiosität, Atheismus und Götzendienst.

Wie kann man Israel segnen? Ganz einfach: Gutes tun – in jeder Form. Positiv denken,
beten, das Gute erstreben, helfen. Eben all das tun, was man selbst als Segen empfinden
würde, wenn man in Israels Situation wäre. Das ist nicht schwer. Wer Israel segnen will,
der findet seinen Weg.

Israel wird aber nochmals neu und anders zum Segen werden. Eines Tages wird Jesus
zurückkommen. Nach Jerusalem. Dann wird er Israel wiederherstellen und von dort aus die
ganze Welt in Ordnung bringen. Alle Völker werden Israelfreunde sein und sich an Gottes
Wort halten (Jes 2,1-5). Auf diesem Weg werden sie in den Frieden miteinander finden.
Und das ist doch eine der schönsten Formen des Segens, oder?
Gott ist mit Israel. Deshalb ist Israel gesegnet und kann zum Segen werden. Den Segen
entdeckt man aber nur, wenn man positiv zu Israel eingestellt ist und Israel segnet. Dann
bekommt man plötzlich einen Blick und ein offenes Herz – für Israel selbst und all den
Segen, den Gott in sein Volk hineingelegt hat. Das wünsche ich uns allen.

Von: Pastor Tobias Krämer

 

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