Kamal Mrih hat in der Vergangenheit bereits Premieren gefeiert, nun soll die 37-jährige Drusin Abgesandte der Einwandererorganisation „Jewish Agency“ werden. Ihre Aufgabe wird unter anderem sein, das Verständnis für Israel in den USA zu verbessern.

Jitzchak Herzog, scheidender Chef der „Jewish Agency“ und nächster Staatspräsident Israels, beglückwünscht Kamal Mrih zu ihrer Ernennung zur Schlicha. Foto: David Salem, Zug Productions

Zum ersten Mal wird eine israelische Drusin die „Jewish Agency“ als höherrangige Abgeordnete im Ausland vertreten: Ghadir Kamal Mrih soll die traditionsreiche Organisation in Washington D.C. als sogenannte Schlicha repräsentieren. Die 37-Jährige werde „bedeutende Verbindungen zwischen Israel und der Judenheit“ schmieden, heißt es in einer Mitteilung der „Jewish Agency“. Zu Kamal Mrihs wichtigsten Anliegen gehört demnach auch, ihre besondere Perspektive in Diskussionen über Israel in Nordamerika einzubringen. Unter anderem soll sie helfen, Fürsprecher für Israel an Universitäten auszubilden und zu unterstützen. Die Agency bringt nach eigenen Angaben jährlich Dutzende junge israelische Erwachsene, die bereits in der Armee gedient haben, an Campi in Nordamerika, um dort Verbindungen zu Israel herzustellen und für das Land einzutreten.

„Gadir Kamal Mrihs persönlicher und beruflicher Weg macht sie zu einer starken Verkörperung von Israels diverser und komplexer Gesellschaft“, erklärte die Direktorin der Agency, Amira Aharonovitz. „Wir freuen uns, dass diese beispiellose Ernennung in den USA ein größeres Bewusstsein für diese Vielfalt bringen wird, als Teil unserer Bemühungen, das Verständnis für Israel weltweit zu fördern.“

Nicht zum ersten Mal die erste

Es ist nicht die erste Premiere, an der Kamal Mrih beteiligt ist. Im April 2019 zog sie als erste weibliche Drusin in die Knesset ein, als Mitglied von Blau-Weiß. Dort gehörte sie auch der deutsch-israelischen Freundesgruppe an. Zur Wahl im April 2021 trat sie nicht mehr an. In der Vergangenheit arbeitete Kamal Mrih für den israeilschen Rundfunk, moderierte zunächst arabische Sendungen, später dann als erste Nicht-Jüdin auch hebräische Hauptnachrichten. „Für alle Teile der israelischen Gesellschaft ist die Zeit gekommen, aktive Partner in der Prägung des globalen Bewusstseins zu sein“, teilte die neue Schlicha nun zu ihrer Ernennung mit. „Ich denke, dass meine einzigartige Identität als drusische Frau mir sehr stark bei meinem Dienst helfen wird.“

Die Drusen sind Teil einer Religionsgemeinschaft, deren Anhänger über mehrere Länder verstreut leben, rund 150.000 von ihnen in Israel. Damit machen sie rund 1,5 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes aus. Größere Drusen-Ortschaften gibt es vor allem in Galiläa und in den Golanhöhen. Die Drusen Galiläas, von wo auch Kamal Mrih kommt, betrachten sich als vollwertiger Teil des israelischen Staates, müssen anders als die Mehrheit der israelischen Araber auch in der Armee dienen. Zudem engagieren sie sich auch in den jüdisch-zionistischen Parteien. In den Golanhöhen sehen sich viele Drusen hingegen nach wie vor als Syrer.

Die „Jewish Agency“ wurde 1929 gegründet und fungierte als politische Vertretung der Juden im damaligen Mandatsgebiet Palästina. Ihre Abgesandten in der Diaspora (Schlichim) bemühten sich aber auch darum, so viele Juden wie möglich zur Alija (Einwanderung) zu bewegen. Eine Verbindung zwischen der Diaspora und Israel herzustellen sowie die Einwanderung zu fördern, gehört auch heute zu den wichtigsten Aufgaben der Agency, die zur Zeit nach eigenen Angaben etwa 2.000 Schlichim in mehr als 60 Ländern stationiert hat. (Israelnetz)