Während ich an meinem Magdeburger Schreibtisch im Home Office sitze und auf den Tag hoffe, an dem ich wieder eine Reise zu den Überlebenden in der Ukraine buchen kann, machen meine Kollegen in der Ukraine das Gegenteil von Home Office – sie sind unaufhörlich unterwegs, um den Bedürftigen Fertigmahlzeiten und Lebensmitteltüten zu bringen. Ich habe beschlossen, mich auf die Gegenwart zu konzentrieren und in den momentanen Begrenzungen Gottes Möglichkeiten zu suchen und auszuschöpfen.

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“ – mit diesem Wort und einer Grußbotschaft haben wir Anfang April die Spenden für das Patenschaftsprogramm für Holocaustüberlebende und bedürftige Senioren an die jüdischen Gemeinden in der Ukraine weitergeleitet. Inzwischen wurden viele Tausend Exemplare der Grußkarte mit einem Teamfoto nachgedruckt und mit einem Lebensmittelpaket an Bedürftige ausgeliefert.

In einer Zeit, wo keine öffentlichen Transportmittel mehr verkehren, die Lebensmittelpreise weiter gestiegen sind und sich aufgrund der unberechenbaren Ausnahmesituation bei den Überlebenden schlimme Erinnerungen aufdrängen, bedeutet jeder Besuch unsagbar viel. Die Mitarbeiter von Christen an der Seite Israels bringen nicht nur Essen, sondern auch Hoffnung – dass der Gott Israels Sein Volk nicht verlassen wird, und dass auch wir unser Möglichstes tun zu helfen.

Raja ist eine von den vielen dankbaren Empfängern. Sie war sieben, als sie mit ihrer Familie und Tausenden von Juden ihres Schtetls Tultschin ins Todeslager Petschora getrieben wurde. Ihr Vater fiel im Dienst der Roten Armee. Am Ende des Krieges zählte sie mit ihrer Mutter zu den 330 Überlebenden des Lagers, 60.000 Juden liegen in den Massengräbern im nahegelegenen Wald. Später verhalf Raja, zusammen mit ihrer Freundin Rita, die dasselbe Lager überlebt hat, als Hebamme Tausenden ukrainischer Babys zum Leben.

„Ich würde euch so gerne mal drücken“, sagt Raja, als unsere Mitarbeiter Igor und Alina mit einer Lebensmitteltüte vor ihr stehen. „Aber wenigstens auf euer Teamfoto kann ich einen Kuss geben!“

 

Autorin: Anemone Rüger

 

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