Geschichte und Entwicklung des Begriffs „Palästina“
Diese wissenschaftliche Monographie präsentiert eine umfassende Analyse der Begriffsgeschichte von „Palästina“ von den etymologischen Ursprüngen in der Antike bis zu den komplexen semantischen Transformationen der Gegenwart. Die Untersuchung dokumentiert eine der bemerkenswertesten Bedeutungsverschiebungen der modernen Geschichte: die vollständige Umkehrung des Begriffs „Palästinenser“ von einer primär jüdischen zu einer ausschließlich arabischen Identitätsbezeichnung.
Die Studie verfolgt die Entwicklung des Begriffs von den ersten Erwähnungen der Philister in ägyptischen Quellen des 12. Jahrhunderts v. Chr. über Herodots erstmalige Verwendung von „Palaistine“ im 5. Jahrhundert v. Chr. und die römische Provinzbezeichnung „Syria Palaestina“ unter Kaiser Hadrian bis zur byzantinischen und islamischen Adaption. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Rolle der jüdischen Diaspora und der Bibeltradition als zentrale Kulturvermittler bei der Verbreitung des Begriffs in verschiedenen Sprachen und Kulturen.
Ein zentraler Befund der Untersuchung ist die Dokumentation der heute weitgehend vergessenen Tatsache, dass während des britischen Mandats (1920-1948) der Begriff „Palästinenser“ primär zur Bezeichnung der jüdischen Bevölkerung verwendet wurde. Institutionen wie die Palestine Post, das Palestine Symphony Orchestra und die Anglo-Palestine Bank trugen den Namen „Palästina“ und verstanden sich als Repräsentanten der jüdischen Gemeinschaft. „Free Palestine“ war ein zionistischer Slogan, der die Befreiung des Landes von britischer Kontrolle zur Errichtung eines jüdischen Staates forderte.
Nach der Gründung des Staates Israel 1948 vollzog sich eine vollständige semantische Transformation. Mit der Adoption des Namens „Israel“ und der systematischen Umbenennung jüdischer Institutionen entstand ein terminologisches Vakuum, das von der arabischen Bevölkerung ausgefüllt wurde. Diese Bedeutungsumkehrung war so grundlegend, dass die ursprüngliche Assoziation des Begriffs mit der jüdischen Bevölkerung heute aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden ist.
Die Monographie basiert auf umfassender Primärquellenforschung und integriert sprachwissenschaftliche, historische, religionswissenschaftliche und politikwissenschaftliche Perspektiven.
Die Untersuchung leistet einen wichtigen Beitrag zur Begriffsgeschichte und zur kritischen Geopolitik. Sie demonstriert exemplarisch, wie geografische Bezeichnungen durch politische Entwicklungen, kulturelle Übersetzungsprozesse und Identitätskonstruktionen fundamental transformiert werden können. Die Analyse zeigt, dass Begriffe nicht passive Beschreibungen der Realität sind, sondern aktive Instrumente der politischen Mobilisierung und Legitimierung.








