CSI-Mitarbeiterin Anemone mit Dima in Haifa. Foto: CSI

Manchmal benutzt Gott extreme Drucksituationen – die dunkelsten Zeiten unseres Lebens – um die Antwort auf unsere langjährigen Gebete freizusetzen. So erlebte es auch Dima aus Odessa, den ich im Sommer mit meiner ukrainischen Kollegin Alina in Israel besuchen konnte.

Von: Anemone Rüger

Wir sind gut in der Zeit, um vor dem Beginn des Schabbat noch etwas mit unserem Dima essen gehen zu können. Schon vor mehr als zehn Jahren hatte Dima die Einreise nach Israel beantragt, damals noch mit seiner Frau. Als messianischer Jude hatte er nicht nur eine Absage bekommen, sondern wurde wohl auf eine Art schwarze Liste gesetzt und in den Folgejahren gar nicht mehr zum örtlichen Konsul vorgelassen. Ich erinnere mich, wie gebrochen er war, als ich ihn vor zwei Jahren mit Alina zum ersten Mal in Odessa besuchte. Seine Frau war gerade gestorben, und sein in Israel lebender Sohn hatte sich seit geraumer Zeit vergeblich bemüht, ihn nach Haifa zu holen.

Wir holen Dima an einem sandfarbenen Mehrfamilienhaus aus den 1960ern in einem Vorort von Haifa ab. Dima strahlt. Er ist einfach glücklich, uns zu sehen. Haifa zeigt sich von seiner schönsten Seite. Wir haben einen Tisch in einem populären Restaurant bestellt. Die arabischen Vorspeisen werden aufgetragen; die Stadt beruhigt sich langsam und bereitet sich auf den Schabbat vor. Da eröffnet uns Dima mit einem Augenzwinkern: „Eigentlich habe ich mich übrigens auf euren Besuch vorbereitet.“ Wie vorbereitet? „Naja, ich habe eingekauft. Und gekocht!“

Wir sind gerührt und beschließen spontan, das auswärtige Abendessen im Restaurant bei der Vorspeise zu belassen. Dafür fahren wir mit Dima auf den Karmel hoch, bis in die „Yefe Nof“ Straße, die Schöne Aussicht. Der Blick über den riesigen Hafen, die weit ausufernde Stadt ist von so hoch oben atemberaubend. Dima sieht diesen Blick zum ersten Mal. Es berührt uns zu erleben, wie er diese Aussicht aufnimmt – auf dieses Land, von dem er so lange geträumt hat.

Anemone (l.), Dima und Alina genießen die Aussicht auf den Hafen von Haifa. Foto: CSI

Im Dezember hatte sich ein Türchen Richtung Israel schon einmal kurz geöffnet. „Ich hatte die Erlaubnis bekommen, als Tourist einzureisen, um meinen Sohn zu besuchen“, erzählt Dima. „Aber einen Tag vor meinem Abflug hat Israel wegen Corona zugemacht.“ Dann brach der Krieg aus. Eine Weile blieb es noch relativ ruhig in Odessa, doch bald geriet auch die vielbesungene Hafenstadt am Schwarzen Meer ins Visier der angreifenden russischen Streitkräfte. Eines Abends riefen Dimas Freunde aus seiner Gemeinde an: „Dima, pack deine Sachen. Morgen früh um 5 fahren wir!“ „Ich habe die ganze Nacht gepackt“, berichtet Dima. „Sachen hierhin und dorthin gelegt. Was sollte ich mitnehmen? Dann habe ich meine Bekannten angerufen und gesagt: Hier, nehmt euch, was ihr gebrauchen könnt.“

Ein großes Problem war die Sperrstunde, die bis morgens um 6 dauerte. Wie sollte Dima zum vereinbarten Treffpunkt kommen? „Gott hat mir geholfen. Ich habe das Taxiunternehmen angerufen, und sie waren bereit, mich zu fahren.“ „Gott wusste, warum ich so lange warten musste“, sagt Dima. „Damals hätten sie in meiner Akte nachgeschaut und mich vielleicht wieder zurückgeschickt. Diesmal gab es keine einzige Rückfrage. Sie haben mich gar nicht erst als Neueinwanderer eingeordnet, sondern haben mir sofort die israelische Staatsbürgerschaft gegeben! Gott hat so viele Wunder getan. Zufällig wurde gerade neben meinem Sohn eine Wohnung frei.“

Dima hat für die CSI-Mitarbeiterinnen gekocht. Foto: CSI

In dieser Wohnung deckt Dima uns jetzt den Tisch in der schmalen Küche auf der geblümten Plastiktischdecke. Die Stühle reichen gerade so für uns drei. Er hat frisches Obst und Gemüse eingekauft, Kartoffeln gekocht und ein wunderbares Hühnchen mit Paprika zubereitet. Dann brechen wir das Brot miteinander – denn jetzt ist richtig Schabbat – und danken dem Herrn für Seine Güte und Treue, die Er Dima erwiesen hat über all die Jahre bis zu diesem Tag im Verheißenen Land.

Wir unterstützen die Flucht und Einwanderung von Juden aus der Ukraine nach Israel. Für diese Arbeit sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Informationen darüber, wie Sie uns unterstützen können, erfahren Sie unter unserer Hilfsaktion SOS Ukraine.