Jeden Tag fahren Busse voller ukrainisch-jüdischer Flüchtlinge zur Grenze mit Moldawien und fliegen von dort aus nach Israel. Foto: Christians For Israel

Von: Koen Carlier – 22. April 2022, Übersetzung M.-L.Weissenböck

Auch während des Passahfestes geht die Rückkehr der jüdischen Flüchtlinge aus der Ukraine nach Israel  unvermindert weiter. Am 14. April war der Tag vor dem Sederabend. Das jüdische Volk gedachte weltweit des Auszugs aus Ägypten. An diesem Tag wurde eine große Gruppe jüdischer Flüchtlinge aus der Ostukraine über die Westukraine nach Kischinau in Moldawien gebracht. Von dort aus flogen sie nach Israel.

„Nächstes Jahr in Jerusalem!“ Mit diesem Satz beenden Juden traditionell den Seder-Abend, den festlichen Auftakt zum Passah-Fest. Er erinnert die Juden an das Leben im Exil und ruft zugleich den sehnsüchtigen Wunsch hervor, in ein wiederaufgebautes Jerusalem zurückzukehren. Dabei richtet sich die Hoffnung auch auf den kommenden Messias, der Israel wiederherstellen und das Reich Gottes auf Erden vollenden wird. Für viele Juden aus der Ukraine wird dieser Ausspruch gezwungenermaßen schon in diesem Jahr Wirklichkeit.

Jüngster Flüchtling

Auch am vergangenen Dienstag, Mittwoch und Donnerstag haben wir wieder eine große Gruppe jüdischer Flüchtlinge nach Moldawien gebracht. Einige von ihnen kamen aus der ostukrainischen Stadt Mariupol. Unter ihnen war auch der bisher jüngste Flüchtling, der im Rahmen der CSI-Hilfsaktion in Sicherheit gebracht wurde, ein Junge, erst einige Wochen alt. Der kleine Yan war am 1. April 2022 geboren worden. Seine Eltern beschlossen, zusammen mit ihm und ihrer zweijährigen Tochter das Land für immer zu verlassen. Wir haben sie aus dem Osten in unsere Unterkunft in der Westukraine gebracht. Sie flogen am 21. April mit einem Evakuierungsflug nach Israel.

Die junge Familie mit ihrer Tochter und dem neugeborenen Baby Yan (im der Tragetasche) auf dem Weg nach Israel. Foto: Christians For Israel

Immer mehr Juden fliehen nach Israel

In der vergangenen Woche haben wir gesehen, dass im Osten erneut heftige Kämpfe ausgebrochen sind. Nicht nur Mariupol ist eine fast eroberte Stadt, sondern wir sehen auch andere Orte im Osten wie Kramatorsk, Slovyansk, Bahmut oder Shevherodonetsk. Das sind Orte, an die wir bis Anfang Februar viele Lebensmittelpakete gebracht hatten. Jetzt, da in diesen Städten schwer gekämpft wird, stellen wir fest, dass immer mehr Juden in sichere Gebiete auswandern wollen. Sie versuchen, über die Nachbarländer zu fliehen und wollen nach Israel.

Für die Zeit nach Pessach sind viele Ausreisen geplant. Es gibt eine große Gruppe, die aus Kiew kommt, aber die meisten kommen natürlich aus der Ostukraine. Unser großer Bus und alle unsere kleineren Busse werden eingesetzt, um so viele jüdische Flüchtlinge wie möglich abzuholen.

Es ist noch ungewiss, wie sich alles entwickeln wird und wie die Zukunft aussehen wird. Es gibt Spekulationen über die Einnahme von Odessa und sogar eine Invasion in Moldawien. Auch wir müssen uns mit der Ungewissheit über die Zukunft und den Verlauf des Krieges auseinandersetzen. Sicher ist nur, dass die Rückkehr nach Israel so lange wie möglich andauern wird. Und wir, das Team von Christen an der Seite Israels (Christians for Israel), werden auf praktische Weise helfen. Wir werden weiterhin mit Transport und bei der Aufnahme von Juden aus der gesamten Ukraine helfen.

„Sie sollen wiederkommen aus dem Lande des Feindes, und es gibt eine Hoffnung für deine Zukunft, spricht der HERR: Deine Kinder sollen wieder in ihre Heimat kommen.“ (Jeremia 31,16b-17)

Es gibt noch viel zu tun, gemeinsam können wir etwas bewirken!

Wir haben zahlreiche Anfragen von älteren Juden und Holocaust-Überlebenden erhalten. Viele von ihnen sind aufgrund ihres hohen Alters ans Bett gefesselt. Wir versuchen, ihnen so gut wie möglich zu helfen. Nächste Woche werden wir zum Beispiel versuchen, eine 99-jährige Jüdin zu evakuieren.

Kurz gesagt, es gibt noch viel zu tun. Wir hoffen, dass wir in Freiheit weitermachen können. Ihre Gebete für Sicherheit und Schutz werden weiterhin benötigt, insbesondere wenn unsere Fahrzeuge in den kommenden Tagen nach Osten fahren. Abschließend könnte man sagen: „Gemeinsam können wir etwas bewirken.“

Wir haben besondere Begegnungen mit den Menschen, die wir treffen. Die Geschichten, die wir von ihnen hören, sind kaum zu glauben. Auch über die Grausamkeiten, die sie erlebt haben. Viele Menschen sind gezwungen, wie Tiere zu leben. Sie haben weder ausreichend Essen noch Trinken, und es ist zu dieser Jahreszeit noch sehr kalt. Wir fühlen uns gesegnet, dass wir eine helfende Hand ausstrecken, Wärme, Trost und Ermutigung anbieten können. Wir sind dankbar, dass wir ihnen auf ihrem Weg aus dem Norden ins Gelobte Land helfen können!

Wie können Sie helfen?

Christen an der Seite Israels organisiert den Transport von der Ukraine nach Moldawien und Rumänien, von wo aus jüdische Flüchtlinge nach Israel fliegen. Ein Transfer mit einem voll besetzten Bus kostet 4.000 €. Das sind umgerechnet 100 € pro Person. Wir gehen davon aus, dass in der nächsten Zeit noch viele weitere Busse abfahren werden. Dies kann nur mit Ihrer Unterstützung gelingen.

Helfen Sie uns? Jede Spende, jedes Gebet hilft. Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung!