Unsere Mitarbeiter in der Ukraine besuchen auch weiterhin die bedürftigen Juden im Patenschaftsprogramm und bringen ihnen Lebensmittel und Medikamente. Foto: Christen an der Seite Israels

Von: Anemone Rüger

Liebe Paten – Ihre Spenden kommen an und werden mehr denn je benötigt – sowohl materiell als auch emotional! Wir können das Patenschaftsprogramm bisher in allen jüdischen Gemeinden weiterführen, wenn auch unter extrem erschwerten Bedingungen. Die Botschaft, dass jemand an sie denkt und für sie sorgt, ist gerade jetzt für die Bedürftigen von unschätzbarem Wert. DANKE!

„Wir arbeiten wieder“, sagt Wera, unsere Kontaktperson für das Patenschaftsprogramm im nordukrainischen Tschernigow. „Aber unsere wunderschöne Stadt ist zu 70 Prozent zerstört.“ Die mittelalterlichen Kirchen Tschernigows, einstmals Hauptstadt eines eigenen Fürstentums, gelten als Weltkulturerbe. Wera verbrachte im März viele Wochen im Keller ihres Wohnblocks und versuchte von dort aus über das Rote Kreuz, Medikamente für ihre bedürftigsten Patienten zu organisieren. Als die Hauptverbindungsbrücke nach Kiew bombardiert wurde, kam von ihr die Nachricht: „Wir machen uns auf das Schlimmste gefasst.“

Lange war die Bevölkerung von der Versorgung abgeschnitten. Doch Anfang April wurde die Belagerung der Stadt wunderbarerweise beendet. Inzwischen kann Wera von den Spenden der Paten für ihre Schützlinge wieder einkaufen gehen.

„Es ist sehr schwer, weißt du. Jeder Luftalarm macht mir Angst“, sagt Ludmila, die ich in Czernowitz erreiche. Sie ist vor Jahren erblindet und wird von ihrer Tochter versorgt. Seitdem die Telekom kostenfreie Anrufe in die Ukraine anbietet, versuche ich, jeden Tag jemanden aus unserem Programm anzurufen. „Wenn meine Tochter mitgehen würde, würde ich auch weggehen“, fährt Ludmila fort. Ihre Enkelin ist mit der einjährigen Urenkelin inzwischen in Deutschland. „Ich vermisse dich, ich vermisse eure Besuche… Erinnerst du dich, dass du mir einmal eine handgestrickte Decke von einer Frau Huber aus Deutschland mitgebracht hast? Sag ihr, wieviel sie mir jetzt bedeutet. Ich wickle mich jeden Tag in die Decke ein, und dann fühle ich mich nicht mehr so verlassen.“

Ludmilla ist dankbar für eine handgestrickte Decke, die sie aus Deutschland erhalten hat. Foto: Christen an der Seite Israels

Erinnerungen, die Hoffnung schenken

Hunderte von handgestrickten Decken, Schals und Socken konnte ich mit meiner Kollegin Alina in den vergangenen Jahren an Holocaust-Überlebende und Bedürftige in der Ukraine verschenken; Tausende von Grußkärtchen in die Herzen sprechen mit dem Jesaja-43-Wort „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst“.

Die Kärtchen, die Schals, die Waffelherzen haben eine Saat der Liebe in die Herzen der Bedürftigen gelegt. Die Erinnerungen an unsere Besuche sprechen ihnen Hoffnung zu in Zeiten, wo wir diese liebgewordenen Menschen physisch kaum noch erreichen können.

„Für die Älteren ist es unglaublich schwer, ihr Leben hier zu verlassen“, sagt einer der jüdischen Leiter von der Schwarzmeerküste. „Viele haben die letzten Jahre mithilfe liebevoller Betreuung und vieler Medikamente gerade so überlebt. Sie haben keine Kraft wegzugehen. Sie wollen lieber in ihrem eigenen Bett sterben, als noch einmal fliehen zu müssen. Deshalb versuchen wir, sie durch unsere Mitarbeiter, die noch in der Stadt geblieben sind, zu versorgen. Wir sind dankbar, wenn ihr uns dabei helft.“

Auch in dem zwischen Kiew und Charkow gelegenen Poltawa versucht die jüdische Gemeinde, allen Hilfesuchenden gerecht zu werden. „Es hat lange gedauert, aber jetzt konnte ich bei unserer Vertragsapotheke wieder eine Sammelbestellung aufgeben für alle, die im Patenschaftsprogramm sind“, sagt Rabbi Josef. Neben den eigenen Bedürftigen hat die Gemeinde seit Kriegsbeginn unzählige Flüchtlinge aus schwer beschädigten Städten wie Charkow aufgenommen. „Mit eurer Hilfe konnten wir allen – Gemeindemitgliedern und Flüchtlingen – ein schönes Festpaket zu Pessach überreichen.“

„Unsere Senioren sind sehr tapfer. Ich habe fast den Eindruck, sie kommen mit der Situation besser zurecht als wir“, sagt Tanja aus Belaja Zerkow bei Kiew, die während der Luftangriffe auf den nahegelegenen Flugplatz zu Beginn des Krieges ihr Zuhause verlassen musste. Tanja ist mit ihrem Team pausenlos im Einsatz, um den vielen Hilfebedürftigen in ihrem großen Einzugsbereich zu helfen, der auch die umliegenden Ortschaften mit einschließt. „Uns ist klar, dass die Alten uns brauchen. Sie sind auf die Hilfsgüter angewiesen. Aber Angst rauszugehen haben wir trotzdem. Wenn wir eine größere Fahrt vorhaben, versuchen wir, eine Polizeieskorte zu bekommen.“ Alle Bedürftigen aus unserem Programm werden nach wie vor hingebungsvoll versorgt – nur jetzt eben unter ständiger Lebensgefahr.

„Gleichzeitig geht die Alijah weiter“, sagt Tanja. „Wer immer mobil ist und nach Israel möchte, den schicken wir zu euch. Und diejenigen, die den Schritt gewagt haben, sind sehr glücklich. Danke für alles, was ihr für uns tut!“

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 129. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen: https://csi-aktuell.de/israelaktuell. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.

Helfen Sie uns dabei, die Juden aus der Ukraine nach Israel zu bringen? Jede Spende, jedes Gebet hilft. Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung! Mehr über unsere Hilfsaktion „SOS Ukraine“ finden Sie hier.