Lisa ist auf der Flucht mit ihrer Mutter, Großmutter und ihrem Hündchen Charlie. Foto: C4I

Von: Rita Quartel, Christians for Israel | Übersetzung aus dem Englischen: Anemone Rüger, Christen an der Seite Israels

In der Ferne ist wieder Luftalarm zu hören. Seit dem 24. Februar gehört die Gewalt in der Ukraine zum Alltag. Millionen von Flüchtlingen haben ihre Heimat verlassen. In den vergangenen Wochen hat Christen an der Seite Israels e.V. (CSI) Tausenden von Juden geholfen, das „Land des Nordens“ zu verlassen und nach Israel zu gehen. Weitere Tausende werden in den nächsten Wochen erwartet.

Im Moment stehe ich an der moldawischen Seite der Grenze. Es fühlt sich immer noch surreal an, die Flüchtlinge über die Brücke kommen zu sehen – zu Fuß, ihr bisheriges Leben in zwei Koffer verpackt. In vielen Fällen mussten sie Abschied nehmen und Ehemänner, Väter, Söhne oder Brüder auf der anderen Seite der Grenze zurücklassen. Männer im wehrfähigen Alter zwischen 18 und 60 Jahren dürfen die Ukraine nicht verlassen.

Ein Ort, um zur Ruhe zu kommen

Es ist bitter kalt. In einem kleinen Gebäude, das von einer örtlichen evangelikalen Gemeinde gemietet wird, werden die Flüchtlinge mit Kaffee, Tee, Essen, Wärme und Beratung für die nächsten Schritte versorgt. Auch für Koen Carlier und sein Team von CSI-Ukraine ist das Haus ein Ort zum Auftanken geworden. Hier gönnen sich alle einen Kaffee und einen Bissen zu essen, bevor es weiter auf die lange Fahrt zum Flughafen nach Kischinau oder Bukarest geht.

Maxim, der den Dienst im Empfangsgebäude koordiniert, kennt Koen inzwischen gut. Seine Ehrenamtlichen aus 120 evangelikalen Kirchen in ganz Moldawien bieten nicht nur ein heißes Getränk während der Durchreise an, sondern bereiten auch Verpflegungspakete für unsere Gruppen vor, die Koen von unterwegs aus bestellt. Die örtliche Gemeinde mietet das Gebäude, das direkt am Grenzübergang liegt, erst seit einem halben Jahr. Jetzt dient es rund um die Uhr als Anlaufstelle für die Flüchtlinge. Maxim dazu: „Der Herr wusste, was kommt.“

Dieser Ort ist jetzt von unschätzbarem Wert für die Menschen, die hier ankommen. Manche weinen, manche blicken starr vor sich hin. Ein fünfjähriger Junge schreit unaufhörlich. Er will zu seinem Vater. Die meisten haben keine Ahnung, wo sie hin sollen, oder wie sie in eines der anderen europäischen Länder gelangen sollen. Mir wird bewusst, wie gut es ist, dass wir den jüdischen Flüchtlingen nicht nur die Ausreise aus der Ukraine, sondern auch eine Perspektive für ein alt-neues Heimatland bieten können – ein Land, das ihnen von Gott selbst versprochen wurde.

In diesem Gebäude werden die Flüchtlinge herzlich willkommen geheißen. Foto: C4I

 

Maxim koordiniert die Flüchtlingshilfe im Gebäude. Foto: C4I

 

Viele Helfer sind im Einsatz, um den Flüchtlingen etwas zu essen anzubieten. Foto: C4I

Zuflucht finden

Während wir (Sergei und Ruslan von CSI-Ukraine und ich) uns gerade um einige logistische Aufgaben kümmern, treffen wir ein jüdisches Ehepaar, das mit dem Vater geflohen ist. Sie haben temporär bei einer christlichen Familie im Grenzort Unterschlupf gefunden, die sie auch weiter zum Flughafen nach Kischinau bringen wird. In unserer Grenzstation der Gastfreundschaft treffen wir ein weiteres jüdisches Ehepaar. Wolodymyr (71) und Tetjana (64) sind aus ihrem Heimatort bei Kiew geflohen. Sie konnten den ständigen Luftalarm und die Angst nicht mehr aushalten. Da ihre Wohnung in der achten Etage eines Wohnblocks liegt und Wolodymyr große Probleme mit den Kniegelenken hat, war jeder Luftalarm, bei dem sie den Luftschutzkeller aufsuchen mussten, eine Katastrophe. Die beiden haben eine Tochter in Israel, die ihnen eindringlich zugeredet hat, alles hinter sich zu lassen und nach Israel zu kommen.

Wolodymyr und Tetjana. Foto: C4I

Wir bieten ihnen an, zu unserem Quartier etwas weiter südlich mitzufahren und dort zu übernachten. Ein warmes Essen steht bereit. Dankbar nehmen sie an. Am übernächsten Tag werden sie mit einem unserer Busse nach Kischinau fahren und von dort weiter nach Israel fliegen – ein Land, das sie schon oft besucht, aber nie als „ihr“ Land betrachtet haben. Das wird sich nun ändern.

Angst

In der Unterkunft treffen wir auch Florentina (34) und ihre Tochter Lisa (13) mit Hündchen Charlie. Florentinas Mutter (62) ist auch dabei, aber sie ist zu aufgewühlt, um mit uns zu reden. Auch Lisa hält sich zurück und versucht, bei Charlie Trost zu finden – ein Bild, das uns noch lange begleiten wird. Florentina erzählt uns, dass sie in Winniza als Zahnärztin tätig war und sich jetzt auf eigene Faust auf den Weg zur Grenze gemacht hat, da sie so schnell wie möglich weg wollte. Über Freunde im israelischen Aschdod hörte sie von unserer Anlaufstelle in Moldawien. Der Krieg hat seine Spuren hinterlassen. Florentina hat furchtbare Angst. Vor allem aber will sie ihre Mutter und ihre Tochter an einen sicheren Ort bringen. Als Jüdin hofft sie, in Israel einen sicheren Hafen zu finden. Sie versucht, sich nicht zu viele Gedanken über die Zukunft zu machen: „Ich muss erstmal meine Angst überwinden.“ Ihre Arbeit als Zahnärztin habe ihr immer Freude gemacht. Aber jetzt sei sie erstmal „längere Zeit vom Dienst suspendiert“, fügt sie bitter hinzu. Florentina, Lisa und Oma werden in unserem nächsten Bus nach Kischinau sitzen.

Florentina und Lisa (mit Hund Charlie). Foto: C4I

“So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir. Ich will vom Osten deine Kinder bringen und dich vom Westen her sammeln, ich will sagen zum Norden: Gib her!, und zum Süden: Halte nicht zurück! Bring her meine Söhne von ferne und meine Töchter vom Ende der Erde“ Jesaja 43, 5-6

Unser Bus

In den nächsten Tagen und Wochen werden wieder hunderte ukrainische Juden bei ihrer Flucht nach Israel auf unsere Hilfe angewiesen sein. Wir konnten in der Ukraine einen gebrauchten Bus kaufen, um den Transport von unserer Notunterkunft in der Westukraine an die moldawische Grenze effektiver zu gestalten und damit so vielen Menschen wie möglich zu helfen. Ein Busunternehmen anzuheuern war schon nach kurzer Zeit zu teuer geworden. Jetzt haben wir Fahrer, die mit unserem eigenen Bus ehrenamtlich für uns im Einsatz sind. Auf der anderen Seite der moldawischen Grenze ist ein rumänisches Busunternehmen für uns unterwegs, um die Flüchtlinge für den Flug nach Tel Aviv nach Kischinau zu bringen.

„Auf Adlersflügeln“ – der CSI-eigene Bus. Foto: C4I

Wir sind als Christen dazu berufen, Israel zu segnen. Wann könnten wir das besser tun als jetzt zur Zeit der Not? Ihr Gebet und Ihre Spende helfen uns, weiterzumachen.

So können Sie unsere Aktion „SOS Ukraine“ unterstützen

Die jüdischen Flüchtlinge werden von unserer Unterkunft in der Westukraine an die moldawische Grenze gebracht und von dort zu den Flughäfen in Moldawien oder Rumänien. Dann geht es per Flug nach Israel. Die Kosten für einen Bus belaufen sich auf 4.000 €, das entspricht etwa 100 € pro Passagier. Möchten Sie einem Juden die Flucht nach Israel ermöglichen? Oder sogar einen ganzen Bus finanzieren? Wir freuen uns, wenn Sie mit uns zusammen mit Gebet und Tat in dieser Notzeit an der Seite des jüdischen Volkes stehen.

Bitte unterstützen Sie unsere Notfallkampagne und helfen Sie uns dabei, jüdische Flüchtlinge in Sicherheit zu bringen. Jedes Gebet, jede Spende zählt! Wir danken Ihnen im Voraus für Ihre Unterstützung!

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