Die Lage in der Ostukraine, die an Russland grenzt, ist zunehmend angespannt. Wird es eine neue Eskalation geben? Wir versuchen, uns so gut wie möglich auf verschiedene Szenarien vorzubereiten – auch auf die schlimmsten.

Von: Koen Carlier, Christians for Israel – Ukraine

Große Lebensmittelvorräte werden für den Fall eines Krieges in der Ukraine gelagert. Foto: Christen für Israel

Kein schöner Titel, um die gegenwärtige Situation in der Ukraine zu beschreiben. Doch nach dem Besuch des israelischen Botschafters Michael Brodsky in Winniza am 20. Januar machen wir uns keine Illusionen über die Realität um uns herum und sind intensiv damit beschäftigt, unsere „Hausaufgaben“ zu machen.

Zufluchtsorte

Kürzlich las ich einen Bericht über den Holocaustüberlebenden Louis Polak, der sich während des 2. Weltkrieges an 17 verschiedenen Verstecken verbarg. Dabei bin ich auf einen mir bis dahin unbekannten Bibelvers gestoßen:

„…verbirg die Vertriebenen, den Flüchtling verrate nicht!“ Jesaja 16,3 (Elberfelder).

Wer hätte gedacht, dass dieser Text in nächster Zukunft in der Ukraine wieder praktische Relevanz bekommen könnte? 2014 brach im pro-russischen Separatistengebiet im Osten der Ukraine ein Krieg aus, den niemand hatte kommen sehen. Die militärischen Auseinandersetzungen trieben mehr als 1,5 Millionen Ukrainer in die Flucht ins Landesinnere und in die großen Städte. Seit dieser Eskalation haben ungefähr 8.000 Juden in unserem Gästehaus „Shelter“ (Zufluchtsort) in Kiew Station gemacht und sind von dort aus nach Israel ausgewandert.

Dunkle Wolken

Auch jetzt spitzen sich die Spannungen im Osten der Ukraine im Grenzgebiet mit Russland wieder zu. Wird die Lage eskalieren? Wenn ja, wann und in welchem Umfang? Beantworten können wir diese Fragen momentan nicht. Aber dass sich über dem „Land des Nordens“ dunkle Wolken zusammenziehen, ist schwer zu übersehen, und es sieht nicht danach aus, dass sie sich schnell wieder verziehen werden. Der Prophet Sacharja findet hierzu deutliche Worte: „Flieht aus dem Lande des Nordens! (…) Nach Zion rette dich“, Sacharja 2, 10-11 (Lutherbibel).

Unsicherheit

Machen sich die Ukrainer große Sorgen um die Spannungen im Osten? Ja und nein. Der profane Alltag ist für viele Bürger des Landes schon so herausfordernd, dass er oft ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. In den kalten Monaten ist für viele die größte Sorge, wie sie die nächste Heizungsrechnung bezahlen sollen (die Energiepreise liegen teilweise über dem westlichen Durchschnitt).

Doch die Bedrohung ist natürlich omnipräsent in den Nachrichten, gerade für die Älteren, die kaum noch aus dem Haus gehen und viele Stunden vor dem Fernseher verbringen. Jeder macht sich Gedanken, was er im Notfall tun würde, wo er hinkönnte, sollte die Situation aus dem Ruder laufen. Viele fragen sich, inwieweit die ukrainischen Streitkräfte in der Lage wären, ihren Bürgern effektiven Schutz zu gewähren. Es gibt genug Bespiele von Plünderungen und Mordanschlägen aus den jüngeren Kriegsjahren seit 2014.

Rückkehr und Lebensmittelhilfe vor Ort

Viele jüdisch-ukrainische Staatsbürger haben bereits dafür gesorgt, dass sie die notwendigen Papiere für eine mögliche Ausreise parat haben. Diejenigen, die ihre Alijah (Ausreise nach Israel) für dieses Jahr geplant hatten, werden versuchen, den Termin zu beschleunigen. Inzwischen tun wir weiter das, was unser Auftrag ist. Wir helfen den ukrainischen Juden auf vielerlei praktische Weise, ihre Ausreise nach Israel vorzubereiten. Gleichzeitig leisten wir vor Ort materielle Hilfe.

Über die jüdischen Gemeinden unterstützen wir mehr als 1.200 bedürftige Holocaustüberlebende und jüdische Senioren mit einer personalisierten Patenschaft. Unsere Lebensmittelpakete kommen bedürftigen jüdischen Senioren, aber oft auch bedürftig gewordenen jüdischen Familien mit Kindern zugute. „Essen auf Rädern“ erhalten diejenigen, die das Haus nicht mehr verlassen können. 2014 wurde es plötzlich schwierig, größere Mengen an Lebensmitteln zu bekommen. Dasselbe erlebten wir zu Beginn der Corona-Krise, als eine größere Bestellung beim Großhandel blockiert und erst nach mühsamen Verhandlungen freigegeben wurde.

Solche Engpässe möchten wir, soweit möglich, vermeiden und legen daher größere Lebensmittelvorräte an. Wir hoffen, in den nächsten Wochen 12.000 Lebensmittelpakete packen und je nach Bedarf in den südöstlichen Regionen der Ukraine verteilen zu können. Beim Packen helfen uns Ehrenamtliche aus den örtlichen christlichen Gemeinden. Bei der Auslieferung müssen natürlich die großen Entfernungen und die gegenwärtig schwierigen Witterungsbedingungen berücksichtigt werden.

Für viele bedürftige, zumeist ältere Juden in der Ukraine sind die Lebensmittelpakete nicht nur materiell eine große Hilfe, sondern auch emotional eine große Ermutigung – zu wissen, dass sie in diesen schwierigen Zeiten nicht allein gelassen sind. Das Lächeln auf ihren Gesichtern zu sehen, spornt uns an weiterzumachen.

Viele Menschen warten geduldig auf ihr Paket. Foto: Christen für Israel

Weitere Bilder über unsere Hilfsaktion in der Ukraine finden Sie hier: www.christenenvoorisrael.nl

Hilfsmöglichkeiten

Mit einer Patenschaft von monatlich 25 € können Sie einem Holocaustüberlebenden oder jüdischen Senioren in der Ukraine helfen, über die Runden zu kommen. Stichwort: Holocaust-Überlebende Ukraine (Patenschaftsprogramm). Unsere Mitarbeiter kümmern sich darum, dass die Bedürftigen mit Lebensmitteln, Medikamenten und Heizmaterial versorgt werden. Sie erhalten eine Kurzbiografie der Person, die Sie unterstützen.

Oder Sie können mit einer Einzelspende – Stichwort „Speisungsprojekt Ukraine“ – Lebensmittelpakete à 10 € beziehungsweise „Essen auf Rädern“ finanzieren – beides wird vor Ort gepackt und über die jüdischen Gemeinden an Bedürftige ausgeliefert. Mit Ihrer Hilfe können wir die altgewordenen Waisen und Witwen „schmecken und sehen“ lassen, dass sie nicht vergessen sind, und ihren hungrigen Herzen Hoffnung bringen.

Wir als Angehörige der Nationen haben heute eine historische Gelegenheit, Gott bei der Erfüllung Seines Heilsplans mit Israel „zur Hand zu gehen“. Helfen Sie mit, Sein geliebtes Volk auf den Armen, in Minibussen und Flugzeugen, in Ihren Herzen und Gebeten nach Hause zu tragen. Das Unterstützungspaket für eine Person (Hilfe mit Papieren, Fahrten zum Konsulat und zum Flughafen) kostet rund 135 €, Stichwort: Alijah.

Spendenmöglichkeiten finden Sie hier: www.csi-aktuell.de/spenden