An historischer Stätte: Herzog als Redner bei der Jubiläumsgala in Basel. Foto: Facebook Isaac Herzog/Screenshot CSI

In Basel ist Israels Staatspräsident Ehrengast bei einer Feier zum 125. Jahrestag des Ersten Zionistischen Kongresses. Zum Auftakt seiner Rede zitiert er aus Talmud und Bibel.

Der israelische Staatspräsident Jitzchak Herzog hat den Zionismus für dessen Fähigkeit gewürdigt, das jüdische Volk zu einen. Er sprach am Montagabend in Basel bei einer Gala zum 125. Jahrestag des Ersten Zionistischen Kongresses. Diese wurde an dem Ort gefeiert, wo am 29. August 1897 Theodor Herzl die Konferenz einberufen hatte: im Musiksaal des Stadtcasinos.

Zum Beginn seiner Rede zitierte Herzog aus der dem Talmud zugrundeliegenden Textsammlung, der Mischna (Berachot 9,1): „Wenn jemand einen Ort sieht, an dem Israel Wunder geschehen sind, so spreche er: ‚Gepriesen sei Er, der unseren Vätern an diesem Orte Wunder erwiesen hat.‘“

Dies kommentierte das Staatsoberhaupt mit den Worten: „Und heute, 125 Jahre nach jenem prägenden Moment, als eine Handvoll Pionierdienst leistender, inspirierender Zionistenführer die menschliche und jüdische Geschichte hier in Basel, der Wiege des politischen Zionismus, für immer veränderten, stehe ich vor Ihnen als Präsident des Staates Israel. Ich bin von Jerusalem hergekommen, der ewigen Hauptstadt des jüdischen Volkes, des Staates Israel, der Erfüllung der Träume und Gebete so vieler Generationen, eines wundersamen Vorbilds für die gesamte Welt. Und ich rezitiere diesen Segensspruch: ‚Gepriesen sei Er, der unseren Vätern an diesem Orte Wunder erwiesen hat.‘“

Gemäß einer Mitteilung des Präsidialamtes fügte Herzog einen Psalmvers (118,24) hinzu: „Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.“

Jüdische Identität als unabhängige politische Gemeinschaft

Seit Beginn der Moderne sei das Pendel der jüdischen Geschichte zwischen einer Forderung nach Normalität einerseits und nach Individualität andererseits hin- und hergeschwungen, sagte Herzog. Juden hätten in der Familie der Nationen bestehen wollen, und das mit eigenen Normen.

In Basel habe Herzl den Zionismus auf dieser Achse positioniert: „Er übersetzte die jüdische Identität in eine effiziente politische Doktrin. Er öffnete Juden die Möglichkeit, ihre Identität als unabhängige politische Gemeinschaft, als Staat zu erfahren.“ Herzls radikale Vision habe das jüdische Volk aufgewühlt.

Nach Herzogs Darlegung schwang das Pendel danach nicht mehr zwischen den Endpunkten hin und her. Vielmehr habe Herzl neuen Raum fürs jüdische Volk geschaffen. Diesen könne es gleichzeitig politisch, diplomatisch, territorial und kulturell füllen. Juden könnten darin auch weiter argumentieren, debattieren und Entscheidungen treffen über die großen Fragen, die sie in ihrer Unterschiedlichkeit bewegten – aber ohne Furcht vor Antisemitismus und Verfolgung oder auch vor einer Assimilierung bis hin zur Auslöschung der Identität.

Der Titel von Herzls Buch „Altneuland“ zeige, was der Zionismusgründer geleistet habe: Altes und Neues miteinander zu verbinden, also konservative und moderne Elemente des Judentums. Schon vor der israelischen Staatsgründung habe Herzl sagen können: „Wir sind nach Hause zurückgekehrt. Zionismus ist die Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr zum Land der Juden.“

Begriff „Zionismus“ positiv werten

Herzog forderte Juden auf, den Begriff „Zionismus“ wieder für sich zu beanspruchen. Vor etwa einem Jahr habe es eine Diskussion in Sozialen Medien zu einer Forderung gegeben, Wort „Zionist“ zu zensieren. Manche Nutzer hätten die Furcht bekundet, es könne für antisemitische Hetze gegen Juden und Israelis verwendet werden. Andere hätten es als „Ausdruck der legitimen Kritik an Israel“ betrachtet. Doch niemand habe darin einen positiven Aspekt gesehen.

„Wir müssen diese antisemitische und antizionistische Herangehensweise bekämpfen; die Geschichte hat bereits gezeigt, was für dunkle Tiefen sie erreichen kann“, betonte der Präsident. Juden müssten sich den Ausdruck „Zionismus“ als Ausdruck ihrer nationalen Identität, Traditionen und Hoffnungen wieder zu eigen machen. Beim biblischen Propheten Jesaja (Kapitel 2,3) heiße es: „Von Zion wird Weisung ausgehen“.

Zionismus, sowohl historisch als auch in seiner modernen Form, bedeute Verantwortung, folgerte Herzog. „Verantwortung, die wir mit Stolz tragen und in unsere Herzen einritzen müssen, von Generation zu Generation, immerdar.“ Es gehe darum, das Land zu bevölkern und aufzubauen sowie die israelische Demokratie zu stärken.

Der politische Zionismus war eine Antwort auf den Antisemitismus, der sich Ende des 19. Jahrhunderts in Europa breitmachte. Anfang der 1880er Jahre flohen zahlreiche russische Juden vor Pogromen ins damals zum Osmanischen Reich gehörende Palästina. Für den Korrespondenten der Wiener „Neuen Freien Presse“ in Paris, Herzl, gab der Prozess gegen den jüdischen Offizier Alfred Dreyfus den Ausschlag. Mit Entsetzen beobachtete er, wie „die“ Juden zur Zielscheibe der Öffentlichkeit wurden. Dass sich später Dreyfus’ Unschuld herausstellte, interessierte den Mob nicht.

Bundesrat Parmelin: Parallelen zwischen Schweiz und Israel

Bei der Gala war die Schweizer Regierung durch den Bundesrat und ehemaligen Bundespräsidenten Guy Parmelin (SVP) vertreten. Dieser hob Gemeinsamkeiten zwischen den beiden kleinen Staaten Schweiz und Israel hervor. Bildung und Forschung spielten jeweils eine große Rolle. In den Bereichen Innovation und Start-ups seien beide Nationen erfolgreich, sagte er laut der Nachrichtenseite des Senders SRF.

Der Basler Regierungspräsident Beat Jans (SP) erinnerte daran, dass die Stadt Basel ihre Tore für die internationale Delegation der Juden für den Kongress geöffnet hatte. Damit stehe sie in einem Gegensatz zu Wien, München und Zürich, die dazu nicht bereit waren.

Treffen mit Bundespräsident Cassis

Bereits vor der Gala hatte Herzog in Bern Bundespräsident Ignazio Cassis getroffen. Sie unterzeichneten eine Absichtserklärung über gemeinsame wissenschaftliche Forschung. Cassis forderte ein Ende der Gewalt, die Israelis und Palästinensern viel Leid bringe. Er ergänzte: „Ich bin überzeugt, dass wir einen politischen Rahmen und einen echten politischen Prozess brauchen, der auf einer Zwei-Staaten-Lösung und dem Völkerrecht beruht.“

Herzog merkte an, der Nahe Osten befinde sich an einer entscheidenden Kreuzung: Die Abraham-Abkommen hätten neue Zugänge eröffnet, um die Region in ein Zentrum von Stabilität, Frieden und Wohlstand zu verwandeln. Gleichzeitig verbreiteten der Iran und seine Verbündeten weiter Terror und untergrüben gemäßigte Akteure. Er rief die Schweiz dazu auf, sich gegen das iranische Atomprogramm zu stellen. (Israelnetz)