Die „Halle der Namen“ in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Foto: sdo216 | Wikipedia | CC BY-SA 3.0

Zum Gedenktag Jom HaScho’ah veröffentlichen israelische Behörden Zahlen zu Holocaustüberlebenden und zu Juden weltweit. In die Statistik fließen auch Pogrome im Irak ein.

Derzeit gibt es in Israel 161.400 Überlebende des Holocaust oder der irakischen Judenverfolgung aus dem Jahr 1941. Dies teilte das Ministerium für soziale Gleichheit anlässlich des bevorstehenden israelischen „Gedenktages für die Märtyrer und Helden des Holocaust“, Jom HaScho’ah, mit. Er beginnt am heutigen Mittwochabend.

Das Durchschnittsalter der Überlebenden beträgt 85,5 Jahre. Etwa 31.500 sind älter als 90. Es gibt etwas mehr als 1.000 Über-100-Jährige. Die Überlebenden haben Anspruch auf Unterstützung durch eine Behörde, die in dem Ministerium angesiedelt ist.

Von den 161.400 Juden in Israel, die Verfolgung überstanden haben, stammen 63 Prozent aus Europa. Die größte Gruppe kommt mit 37 Prozent aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Darauf folgt Rumänien als Herkunftsland mit 12 Prozent. Aus Polen sind 5 Prozent der Überlebenden, aus Bulgarien 2,7 Prozent sowie aus Ungarn und Deutschland je 1,4 Prozent.

Juden aus Nordafrika und dem Irak

Hinzu kommen 18,5 Prozent Überlebende aus Marokko und Algerien. Sie haben während des Zweiten Weltkrieges unter Einschränkungen des französischen Vichy-Regimes gelitten, das mit den Nationalsozialisten zusammenarbeitete.

In der Statistik erscheinen auch Überlebende des „Farhud-Pogromes” im Irak. Dabei wurden Anfang Juni 1941 wischen 130 und 180 Juden getötet. Die Überlebenden machen 11 Prozent der bei der Behörde registrierten Juden aus.

Außerdem stammen 7 Prozent aus Libyen und Tunesien. Dort litten sie unter den Rassengesetzen. Viele kamen ins Arbeitslager, manche auch ins Konzentrationslager.

Besonders viele Überlebende in Haifa

Im Jahr 2021 hat das Ministerium nach eigenen Angaben umgerechnet rund 1,6 Milliarden Euro an Zuwendungen weitergegeben. Das Geld kam nicht nur 49.800 Überlebenden zugute. Auch 18.000 Witwen und Witwer von Juden, die den Holocaust überlebt hatten, wurden berücksichtigt.

Die größte Anzahl an Überlebenden ist mit 11.000 in Haifa zu finden. Darauf folgen Jerusalem mit 10.000, Tel Aviv mit 8.700 und Aschdod mit 8.000 Überlebenden der Judenvernichtung.

Im vergangenen Jahr sind 15.553 Scho’ah-Überlebende in Israel verstorben. Damit verringerte sich ihre Anzahl täglich um ungefähr 42.

Weltweit: Immer noch weniger Juden als 1939

Das Zentrale Statistikbüro in Jerusalem hat Zahlen zur jüdischen Bevölkerung weltweit veröffentlicht. Mitgezählt sind dabei Menschen, die sich als jüdisch definieren oder von jüdischen Eltern geboren wurden. Wichtig ist, dass sie keine andere religiöse oder ethnische Identität haben.

Demnach gab es Ende 2020 insgesamt etwa 15,2 Millionen Juden. Vor dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1939, waren es 16,6 Millionen. Von ihnen lebten 449.000 und damit 3 Prozent im heutigen Israel.

Drei Jahre nach Ende des Krieges und vor der israelischen Staatsgründung, 1948, wurden weltweit 11,5 Millionen Juden gezählt. Von ihnen lebten 650.000 in Israel, das entsprach 6 Prozent der gesamten Judenheit.

Größte jüdische Bevölkerung in Israel

Heute machen die 6,9 Millionen Juden in Israel ungefähr 45 Prozent der weltweiten jüdischen Bevölkerung aus. Von ihnen sind 5,4 Millionen in Israel geboren. Etwa 1,5 Millionen stammen aus dem Ausland. Von den Einwanderern kamen 1 Million aus Europa und Amerika, 284.400 aus Afrika und 153.700 aus Asien.

Nach Israel sind die USA das Land mit der zweitgrößten jüdischen Bevölkerung, sie lag Ende 2020 bei 6 Millionen. An dritter Stelle befindet sich Frankreich mit 445.000 Juden. In Kanada lebten 393.000 jüdische Bürger, im Vereinigten Königreich 292.000 und in Argentinien 175.000. Darauf folgt die Russische Föderation mit 150.000 Juden. In Deutschland und in Australien waren jeweils 118.000 Juden registriert. (Israelnetz)