„Nicht in meinem Namen!“ – Stellungnahme zur Palästina-Israel-Erklärung des Weltkirchenrats

„Nicht in meinem Namen!“ – Stellungnahme zur Palästina-Israel-Erklärung des Weltkirchenrats

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) hat mit einer umstrittenen Erklärung zu „Palästina und Israel“ bei vielen Christen für Kritik gesorgt. In seinem Ende Juni veröffentlichten Papier wirft der Weltkirchenrat Israel unter anderem vor, den Palästinensern das System der Apartheid auferlegt zu haben. Für die „Eskalation der Krise“ macht er allein Israel verantwortlich, das Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 erwähnt er nicht. Als Christen an der Seite Israels (CSI) verurteilen wir diese einseitige Erklärung auf das Schärfste und distanzieren uns von ihr. Unter dem Titel „Nicht in meinem Namen!“ haben wir Vertreter von Kirchen und christlichen Einrichtungen eingeladen, eine entsprechende Stellungnahme zu unterzeichnen.
Der Ökumenische Rat der Kirchen ist ein weltweiter Zusammenschluss von mehr als 360 Mitgliedskirchen in über 120 Ländern (Symbolbild). Foto: Canva

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) hat mit einer umstrittenen Erklärung zu „Palästina und Israel“ bei vielen Christen für Kritik gesorgt. In seinem Ende Juni veröffentlichten Papier wirft der Weltkirchenrat Israel unter anderem vor, den Palästinensern das System der Apartheid auferlegt zu haben. Für die „Eskalation der Krise“ macht er allein Israel verantwortlich, das Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 erwähnt er nicht. Als Christen an der Seite Israels (CSI) verurteilen wir diese einseitige Erklärung auf das Schärfste und distanzieren uns von ihr. Unter dem Titel „Nicht in meinem Namen!“ haben wir Vertreter von Kirchen und christlichen Einrichtungen eingeladen, die nachfolgende Stellungnahme zu unterzeichnen: 

Stellungnahme zur Erklärung des Ökumenischen Rats der Kirchen zu „Palästina und Israel“ vom Juni 2025: „Nicht in meinem Namen!“

Ende Juni hat der Zentralausschuss des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) angesichts der aktuellen Situation im Gazastreifen eine Erklärung herausgegeben. Schon deren Titel spricht eine eigene Sprache: „Aufruf zur Beendigung von Apartheid, Besatzung und Straflosigkeit in Palästina und Israel“. Dieses Ziel soll mit den Mitteln von Desinvestment und Sanktionen gegen Israel erreicht werden. Damit schließt sich der ÖRK unmittelbar der Israel-Boykottbewegung BDS an, die von jeher für diese Programmatik steht. Die BDS-Bewegung wiederum wird von Antisemitismusbeauftragten in Bund und Ländern als zentraler Akteur des antiisraelischen Antisemitismus eingestuft. Aus diesem Grund hat der Deutsche Bundestag im Mai 2019 die BDS-Bewegung scharf verurteilt und sich von ihr distanziert. Die antiisraelische beziehungsweise antisemitische Stoßrichtung der eigenen Erklärung scheint den ÖRK jedoch nicht zu stören. Im Gegenteil, diese Stoßrichtung wird als die allgemein christliche / ethische dargestellt. Vor diesem Hintergrund wirkt die beiläufige Positionierung des ÖRK gegen Antisemitismus wie ein Lippenbekenntnis. 

Die Einseitigkeit der Erklärung, die schon im Titel deutlich wird, zieht sich in schmerzhafter Weise durch das gesamte Papier. Die „Eskalation der Krise“ wird allein Israel angelastet, als ob es den 7. Oktober 2023 nie gegeben hätte. Dieses grausame Massaker der Terrororganisation Hamas, das die Ursache jener Krise ist, wird mit keiner Silbe erwähnt. Die 1200 Jüdinnen und Juden, die an jenem Tag ermordet, verstümmelt, vergewaltigt, geschändet und verbrannt wurden, scheinen nicht der Rede wert zu sein. Dies ist unerträglich. Es wird (mit Recht) vom tragischen Leid der Menschen im Gazastreifen gesprochen, doch das Leid auf jüdischer Seite wird ausgeblendet, nicht zuletzt auch das der Geiseln und ihrer Angehörigen. Pauschal wird Israel der Bruch internationaler Rechtsnormen angelastet, ohne auf gegenteilige Rechtsauffassungen und die palästinensische Medienpropaganda hinzuweisen. Auch, dass die Hamas diesen Krieg sofort beenden könnte, indem sie kapituliert und die noch lebenden Geiseln freilässt, findet keine Erwähnung. Forderungen an die Hamas oder gar Kritik an ihr fehlen vollständig. 

Die Stoßrichtung des Papiers ist eindeutig: Israel ist der Alleinverantwortliche, der Aggressor und der Sitz des Bösen. Um zum Frieden zu gelangen, bleibt für den ÖRK nur eines: Israel muss in die Knie gezwungen werden. Und dazu ruft der ÖRK denn auch auf. Diese Position ist absurd. Wir widersprechen ihr mit aller Entschiedenheit.  

Ein Beitrag zu Frieden, Recht und Gerechtigkeit kann diese Erklärung aufgrund ihrer Einseitigkeit nicht sein. Damit verfehlt der ÖRK sein selbst gestecktes Ziel. Doch die Sehnsucht, die der ÖRK einleitend zum Ausdruck bringt, teilen wir: „Es ströme das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach“ (Amos 5,24). Wie jedoch Recht und Gerechtigkeit in der schwierigen Situation in Nahost aussehen, wie sie gefunden und etabliert werden können, gehört zu den drängenden Fragen unserer Zeit. Diese sind mit klischeehaften Antworten nicht zu lösen.  

Der ÖRK hat die Chance vertan, als namhafte Organisation einen substanziellen Beitrag zur Lösung dieser Fragen zu geben. Dies bedauern wir zutiefst. Und nicht nur das: Mit seiner Erklärung gibt der ÖRK ein verzerrtes und falsches Bild von Israel wieder und befördert damit weltweiten Israelhass.  

Als Christen, die in Kirchen und Gemeinden in Verantwortung stehen, distanzieren wir uns von der Haltung und dem Geist dieser Erklärung und sagen deutlich: „Nicht in meinem Namen!“

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