Der Pastor, Missionar und Politiker Gerhard Heinzmann ist am 26. Dezember nach kurzer schwerer Erkrankung im Alter von 81 Jahren gestorben. Der Mitbegründer der Partei Bibeltreuer Christen (PBC) war von einer tiefen Liebe zu Israel erfüllt. Er hinterlässt seine Frau, fünf Kinder und zehn Enkelkinder.

Gerhard Heinzmann im Mai 2018 bei einem Infostand der „Pfälzer Israelfreunde“ in einer Fußgängerzone in Kaiserslautern. Foto: Facebook/Gerhard Heinzmann

Sein Sohn Marcus schrieb über seinen Vater:

Gerhard wurde 1940 in St. Georgen im Schwarzwald geboren. 1962, im Alter von 22 Jahren, traf er die persönliche Entscheidung, Jesus nachzufolgen. Im Herbst 1963 lernte er auf dem Theologischen Seminar BERÖA in Erzhausen zwei neue Mitschüler kennen: es waren Sinti aus Belgien. Gerhard beschrieb diesen Moment immer wie folgt: „Ich fühlte mich sofort zu ihnen hingezogen.“ Kurz darauf besuchte er mit ihnen die Sinti-Siedlung in Mainz, wo er von Gott die Berufung erhielt: „Eines Tages wirst du wiederkommen und ihnen mehr von mir erzählen.“

1966 gründete Gerhard gemeinsam mit Freunden, Sinti und nicht-Sinti, die Internationale Zigeunermission e.V. (Deutscher Zweig). Ab 1967 reiste er mit Wohnwagen und Missionszelt jeden Sommer durch ganz Deutschland und verkündete den Sinti und Roma sowie der übrigen Bevölkerung, die Botschaft von Jesus Christus. Im Laufe der Jahrzehnte wurden zehntausende Sinti und Roma mit dem Wort Gottes erreicht, Tausende entschieden sich, Jesus nachzufolgen. Seit 1991 führen die Sinti und Roma die Missionsarbeit unter ihrem Volk in Deutschland eigenständig fort. Heute gibt es etwa 350 Prediger und Pastoren und mehr als 100 Gemeinden unter Ihrem Volk in Deutschland.

Im Herbst/Winter 1970/71 organisierte Gerhard zahlreiche Hilfskonvois nach Rumänien. Dabei brachten er und seine Freunde nicht nur Hilfsgüter, sondern schmuggelten auch Bibeln und christliche Literatur, die an die unter der kommunistischen Diktatur leidenden
Christen (v.a. Pfingst- und Roma-Gemeinden) verteilt wurden. Infolge dieser Konvois wurde im Februar 1972 das „Aktionskomitee für Verfolgte Christen“ (AVC) ins Leben gerufen, um die Freilassung der Christen aus rumänischen Gefängnissen zu erwirken. In den folgenden zwei Jahrzehnten reiste Gerhard regelmäßig nach Osteuropa. Immer mit im Gepäck (und gut versteckt) hatte er „gefährliche“
Ware: Bibeln und christliche Literatur.

Auch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ging die Arbeit des 1991 gegründeten „Internationalen Hilfswerks für Zigeuner“ (IHZ) unter den verschiedenen Zigeunerstämmen (Roma, Gabor, Rudar, Bumbacar, etc.) in den osteuropäischen Ländern weiter. Heute gibt es dort zig eigenständige Gemeinden, Kindertagesstätten und andere Projekte. Bis zuletzt reiste Gerhard nach Rumänien, Bulgarien, Ukraine und
Ungarn, um die Roma-Gemeinden zu besuchen.

Sein Dienst führte Gerhard schon 1975 nach Indien und Pakistan, wo Millionen Zigeuner der Stämme Lambadie, Narikoravas, Astrologer, Basket, Circus etc. leben. Über Jahrzehnte hinweg setzte er sich für Bildungs- und Ernährungsprogramme in diesen Ländern ein. 1988
weihte er eine Bibelschule in Bangalore ein, an welcher bis heute hunderte indischer Pastoren ausgebildet wurden. Die Arbeit in Indien umfasst heute mehr als 400 Pastoren und Evangelisten, rund 120 Gemeinden und 45 Kinderheime. Zehntausende Lambadie und Angehörige anderer Stämme folgen heute Jesus Christus.

1989 gründete er mit Freunden die Partei Bibeltreuer Christen (PBC). Den Bundesvorsitz hatte er bis 2005 inne.

Gerhard war auch von einer tiefen Liebe zum jüdischen Volk und zu Israel erfüllt. Ab 1988 organisierte er mehrmals im Jahr Gruppenreisen nach Israel. Dabei kam es immer wieder zu eindrücklichen Begegnungen zwischen Israelis und Sinti, die den Holocaust überlebt hatten.

Unermüdlich setzte er sich für Israel ein, in Politik, Gesellschaft und christlichen Gemeinden. Er war überzeugt davon, dass Christen sich an die Seite Israels stellen sollten. Jahrelang war er samstags mit einem Israel-Stand in der Landauer Fußgängerzone zu sehen. Er initiierte den „Landauer Wald“ in der Negev-Wüste, der während einer Israelreise 2016 von Oberbürgermeister Thomas Hirsch gemeinsam mit ihm eingeweiht wurde. Durch diese Arbeit entstanden die Pfälzer Israelfreunde. Bis November 2021 war Gerhard in Landau und anderen Städten der Pfalz im Einsatz.

Im November 2021 erkrankte er an Corona. Leider wurde seine Lunge so sehr beschädigt, dass er sich nicht mehr davon erholte. Er wird uns allen sehr fehlen.

Von: Redaktion