Ultra-orthodoxe Juden im nordisraelischen Safed backen Mazzen, das traditionelle ungesäuerte Pessach-Brot. Es erinnert an das Brot, das in der Eile des Auszugs aus Ägypten schnell fertiggestellt werden musste und somit ohne Sauerteig gebacken wurde. Foto: David Cohen/Flash90

Ohne das jüdische Pessach-Fest ist das christliche Ostern nicht zu verstehen. In beiden Festen geht es um die Errettung durch Gott. Es gibt eine Reihe von Gemeinsamkeiten die zeigen, warum Ostern das wichtigste Fest im Kirchenjahr für Christen ist.

Von: Pfarrer Oscar Lohuis

Als Christen glauben wir, dass vieles von dem, was wir im Tenach, dem Alten Testament, lesen, auf das Kommen Jesu Christi hinweist. Wir sehen viele Ähnlichkeiten zwischen den mächtigen Taten Gottes an Israel und dem, was später durch das Leben, den Tod und die Auferstehung Jesu geschehen ist. Das christliche Osterfest ist aus dem jüdischen Passahfest, auch Pessach genannt, hervorgegangen. Der Apostel Paulus schreibt deshalb auch im Hinblick auf den Tod Jesu: „Denn unser Passahlamm ist ja für uns geschlachtet worden: Christus“ (1. Korinther 5,7).

Wir glauben, dass vieles von dem, was in der Stiftshütte und später im Tempel in Jerusalem geschah, prophetisch war. Die Opfer wiesen über sich selbst hinaus auf das eine Opfer, das gebracht werden sollte. Das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt, ist in die Welt gekommen. In Anlehnung an 2. Mose 12 möchte ich darüber reflektieren, was Ostern für Christen bedeutet. Ich sehe eine Reihe von Gemeinsamkeiten, die uns zeigen, warum dies das wichtigste Fest im Kirchenjahr für Christen ist.

Ein Lamm ohne Makel

Jede Familie musste ein Lamm nehmen und es am vierzehnten des ersten Monats schlachten. Es sollte ein Lamm ohne Makel sein. So lesen wir im Neuen Testament, dass Jesus ohne Sünde war, dass er nie gesündigt hat. Das ist ein ganz wesentlicher Aspekt dessen, was er für uns getan hat.

Er kam, um das Gesetz zu erfüllen, was unter anderem bedeutet, dass er das Gesetz vollständig eingehalten hat. Niemand ist vollkommen gerecht, niemand hat es geschafft, sein Herz vollkommen reinzuhalten. Damit Gott den Menschen wieder annehmen konnte, musste jemand handeln der dies wohl tun konnte; stellvertretend für die gesamte Menschheit. Bevor Jesus für uns starb, lebte er für uns. Er hat Gerechtigkeit gebracht, die Gerechtigkeit, die wir selbst nicht haben. Das Gesetz ist so heilig, so vollkommen, es spricht von einem so reinen, selbstlosen und lauterem Leben, dass es jeden Menschen erdrückt. Das Gesetz ist ein Abbild von der eigenen Heiligkeit Gottes und kann daher vom Menschen nicht einfach gehandhabt werden. Gott hat den Messias gesandt, um das Gesetz an unserer Stelle zu erfüllen. Auf der Grundlage seiner Gerechtigkeit dürfen wir nun zu Gott kommen. Wir sind aus Gnade gerettet, nicht durch das Gesetz, und dadurch bestätigen wir gerade das Gesetz.

Erlösung durch das Blut

Das Blut des Lammes musste an die Türpfosten und an die Oberschwelle der Häuser gesprengt werden. Als der Herr das Blut sah, ging er an den Häusern vorbei, und sie blieben von der Plage, dem Tod der Erstgeborenen, verschont. Das Einzige, das sie rettete, war das Blut. Anstelle des Erstgeborenen war das Lamm gestorben. Der gesamte Opferdienst Israels spricht von stellvertretenden Opfern. Daher glauben wir, dass der Messias Israels gekommen ist, um zunächst als leidender Diener (Knecht) des Herrn zu handeln.

„Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden. Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der HERR warf unser aller Schuld auf ihn“ (Jesaja 53:5,6).

Am Karfreitag erinnern wir uns an den Tod Jesu an unserer Stelle. Der einzige Grund, warum wir uns Gott nähern können, ist das Blut, genau wie damals in der Stiftshütte. Das Blut wurde auf den Gnadendeckel zwischen den Cherubim und das Gesetz gesprenkelt. Nur dadurch konnte der Herr zu seinem Volk sagen: Ich treffe euch dort. Das Blut Jesu reinigt uns von allen Sünden. So wie die Plage des Todes Israel nicht heimgesucht hat, können wir jetzt wissen, dass es keine Verurteilung gibt. Verfall, Gericht und Tod haben keine Macht mehr über uns, weil der Messias unseren Tod gestorben ist. Das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt, ist in die Welt gekommen.

Wenn Gott einen Menschen, der in Sünde gefallen ist, wieder annehmen will, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein. Erstens muss die Strafe für die Sünde getragen werden (das heißt, der Tod – die Seele, die sündigt, stirbt). Zweitens: Der Mensch darf nie wieder sündigen. Jesus hat beides für uns getan. Er hat das Gesetz für uns erfüllt, sowohl durch seinen Tod als auch durch sein Leben. Auffallend ist auch, dass die Beine Jesu nicht gebrochen wurden, als er am Kreuz hing (Johannes 19,33).

Über das Osterlamm heißt es: „..und sie sollen nichts davon übrig lassen bis zum Morgen, auch keinen Knochen an ihm zerbrechen; nach der ganzen Passahordnung sollen sie es halten“ (4. Mose 9,12). Dies ist nur eine der vielen Prophezeiungen, die sich in der Passion Jesu erfüllt haben.

Befreit aus der Sklaverei

Durch das Passahfest, die Übergabe des Gerichts, wurde Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Die Vergebung und der Freispruch, die wir durch das Opfer Jesu erhalten dürfen, führen nicht zu einem Leben in wahlloser Willkür, wo jeder tut was er selbst möchte (das ist die schlimmste Knechtschaft), sondern zu der Freiheit, Gott zu gehorchen.

Auf den Sederteller, an dem zu Pessach bestimmte Lebensmittel serviert werden, gehören unter anderem bittere Kräuter. Sie stehen für die Bitterkeit der Sklaverei in Ägypten. Das hartgekochte Ei symbolisiert das Festtagsofper, das Jerusalem-Pilger einst im Tempel darbrachten. Die ungesäuerten Matzen, links vom Teller, gehören traditionell zum Pessach-Fest dazu. Foto: Canva

Auf das Passahfest folgt das Fest der ungesäuerten Brote, das ein reines und heiliges Leben symbolisiert. „Lasst uns also feiern …… mit ungesäuerten Broten der Lauterkeit und der Wahrheit“ (1. Korinther 5,8). Am Tag nach dem Schabbat des Passahfestes wurde die erste Garbe der Ernte vor den Herrn gebracht: „Und er soll die Garbe vor dem HERRN schwingen zum Wohlgefallen für euch; am andern Tag nach dem Sabbat soll der Priester sie schwingen“ (3. Mose 23,11). Am Tag nach diesem einen Schabbat kam Bewegung in den Körper Jesu. Der Tod konnte ihn nicht halten.

Von diesem Tag an mussten fünfzig Tage bis zum Beginn der Ernte gezählt werden (3. Mose 23,16). Fünfzig Tage nach der Auferstehung Jesu kamen die ersten Früchte seines vollbrachten Werkes zum Vorschein – der Heilige Geist erfüllte alle Anhänger Jesu, die sich in Jerusalem versammelten hatten. Der Heilige Geist drängte sie dazu, „Gottes große Taten“ zu verkündigen (Apg 2). Das Wort Pfingsten geht auf den griechischen Ausdruck Pentekoste (50. Tag) zurück und bezeichnet den 50. Tag nach Ostern. Es passt alles so wunderbar zusammen. Gesegnet seist Du, Gott des Universums, der uns Heiden an so vielen geistlichen Segnungen teilhaben lässt, die durch Israel zu uns gekommen sind.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 128. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen: www.csi-aktuell.de/israelaktuell. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.