Etwas Schönes schaffen, damit die Seele leben kann

Etwas Schönes schaffen, damit die Seele leben kann

Die Leiterin der Töpferei mit CSI-Mitarbeiterin Anemone
Die Leiterin der Töpferei in der Kreativwerkstatt mit CSI-Mitarbeiterin Anemone (r.). Alle Fotos: CSI

Israels Krieg gegen den Terror hält an, während Überlebende, Angehörige und Evakuierte versuchen, irgendwie mit jedem neuen Tag zurechtzukommen. Unsere CSI-Mitarbeiter sind immer wieder vor Ort, um für alte und neue Freunde in dieser schweren Zeit da zu sein. Anemone Rüger berichtet vom bewegenden Besuch einer Kunstwerkstatt in Kfar Aza, die Evakuierten hilft, wieder mit dem Leben zurechtzukommen.

In der Nähe von Hadera ist ein Teil des evakuierten Kibbutz Kfar Aza eingezogen, der zusammen mit Be’eri am schlimmsten von den Überfällen der Hamas am 7. Oktober zugerichtet wurde. Von den 900 Kibbutzniks wurden 65 ermordet und 19 Geiseln genommen; fünf befinden sich noch in den Fängen der Hamas. Für sie ist im Speisesaal des Hotels ein Tisch gedeckt, der zu jeder Mahlzeit daran erinnert, dass ein Teil der Familie fehlt.

Gedeckter Tisch für die fünf bislang in Gaza festgehaltenen Geiseln aus Kfar Aza.

„Habt ihr noch einen Moment Zeit?“ fragt Yankele. Er möchte uns gern die Werkstatt zeigen, seinen kreativen Zufluchtsort. Er sei schon einmal lange krank gewesen, vertraut er uns an. PTSD (posttraumatische Belastungsstörung) – eine der vielen Raketen, die in der Vergangenheit auf Kfar Aza abgeschossen wurden, zerfetzte den Nachbarn vor seinen Augen; eine weitere landete im Kinderzimmer seines Hauses. Da brach die fragile Ordnung seiner Welt zusammen. Über die Jahre half das Kunsthandwerk Yankele, wieder ins Leben zurückzufinden. Er malt und er arbeitet mit Draht.

„Eine Kreativwerkstatt für die Region war jahrelang der Traum von Livnat Kotz, einer Frau aus dem Kibbutz“, erzählt Yankele. „Sie wurde am 7. Oktober mit ihrer Familie umgebracht. Dann hat sich unsere Kibbutzgemeinschaft im Exil zusammengetan und hat hier ihren Traum erfüllt.“ Wir schauen uns um. Im vorderen Bereich der Werkstatt wird mit Holz gearbeitet, gesägt und geschraubt; einige fertige Staffeleien stehen an der Seite. Im nächsten Bereich wird mit Keramik gearbeitet. Dann zeigt uns Yankele sein eigenes kleines Studio. Seines zu Hause war viel größer. Doch auch hier verbringt er jede freie Stunde und davon hat er im Moment viele.

CSI-Mitarbeiterin Anemone mit Künstler Yankele in dessen provisorischer Werkstatt.

Jeder freie Platz an der Wand ist mit Yankeles Kunstwerken bedeckt. Doch einige sind beschädigt. „Die haben bei mir an der Hauswand in Kfar Aza gehangen“, erklärt Yankele. „Ich habe sie mir hergeholt. Hier haben die Kugeln der Hamas eingeschlagen. Ich weiß noch nicht, ob ich sie repariere oder so lasse, als Mahnmal.“

Dann gibt es einen neueren Bereich an Yankeles Werkbank, den er uns gern vorführt. „Den Baum hier hat ein Soldat bei mir bestellt, der gerade als Sanitäter in Gaza war. Er weiß noch nicht, dass ich kein Geld dafür nehmen werde … Und seht ihr das schöne Blau hier? Das haben die Eltern von einem Jungen bestellt, den die Terroristen umgebracht haben. Er hatte ganz blaue Augen. Deshalb wollten sie etwas Blaues haben. Manche fragen mich, wie ich nach den Massakern hier etwas Schönes herstellen kann. Sie staunen, dass ich nicht alles jetzt in Schwarz male. Das hier ist meine Art, mit dem allen fertig zu werden. Es hilft mir, etwas mit meinen Händen zu machen.“

Bei dem Terrorüberfall der Hamas am 7. Oktober beschädigte Kunstwerke aus Yankeles Sammlung.

Und schließlich sehe ich, wovon mir schon meine Sitznachbarin Ilanit im Flugzeug erzählt hatte. Sie erinnerte mich an das jährliche „Darom-Adom“-Festival, das Fest des Roten Südens, das die Anemonenblüte im Februar feiert – zwischen Be’eri und Schokeda, entlang des Gazastreifens. „Genau dort, wo die schrecklichen Dinge passiert sind. Ich bin eigentlich Physiotherapeutin. Aber ich arbeite gern mit Keramik. Als der Krieg begann, haben wir uns als Töpfer aus dem ganzen Land zusammengeschlossen und Anemonen getöpfert. Und die haben wir dann an verschiedenen Orten ‚gepflanzt‘ – in Sderot am Gazastreifen, am Toten Meer, in Aschkelon in der Zufahrt zu dem Krankenhaus, wo die Opfer behandelt werden.“

Die israelische Antwort auf den Terror: Schönheit verbreiten und Hoffnung pflanzen.

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