Kommentar: Krieg und Frieden – das Ende eines Traums

Kommentar: Krieg und Frieden – das Ende eines Traums

Frieden ist eine Illusion, solange andere Krieg wollen. Dennoch gilt es, sich nicht den Friedenswillen rauben zu lassen, so Dr. Tobias Krämer. Foto: Humphrey Muleba, Unsplash

Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und Kriegsgeschrei, so erschreckt nicht: Es muss geschehen. Aber das Ende ist noch nicht da. (Markus 13,7)

Es ist hart, aus einem schönen Traum aufzuwachen. Doch vielen geht es in diesen Tagen so. Wir hofften auf Frieden und sehen Krieg: in der Ukraine, in Israel. Wir machen die bittere Erkenntnis, dass Frieden nicht möglich ist, wenn andere Krieg wollen, und sehen uns genötigt, neu aufrüsten zu müssen, um wieder wehrfähig zu werden. Für die Älteren unter uns, die den sogenannten Kalten Krieg noch kennen, ist das ernüchternd: ein Rückschritt sondergleichen.

Noch dramatischer ist die Lage in Israel. Eine ganze Generation junger Männer und Frauen leistet nun Kriegsdienst. Viele werden dabei ihr Leben lassen. Langfristig stellt sich die Frage, welche Konsequenzen Israel aus den Massakern vom 7. Oktober 2023 ziehen wird. Das ist aktuell noch nicht klar, doch werden es gravierende sein. Dies ist tragisch, denn Israel ist von Herzen friedenswillig. Wer Frieden mit Israel will, bekommt ihn auch. Doch viele wollen nicht. Was tun? 

Krieg ist Teil dieser Welt

Frieden ist eine Illusion. Zumindest dann, wenn andere Krieg wollen. Krieg gehört zu dieser Welt. Eigentlich wissen wir das. Schon Jesus hat gesagt, dass Kriege ein Charakteristikum der Endzeit sind (Markus 13,7) und in Prediger 3,8 heißt es lakonisch, dass alles seine Zeit hat – auch der Krieg. In Hesekiel 13,10 wiederum gilt es als Verführung, von Frieden zu sprechen „wo doch kein Friede ist“. Denn Friedensrhetorik ist verführerisch. Dieser Verführung sind wir erlegen. Nun wachen wir auf. Und das ist gut.

Im Blick auf Israel kann man lernen, dass Friedenswilligkeit und Wehrhaftigkeit sich nicht widersprechen. Man kann und sollte beides zugleich sein: friedenswillig, um den Frieden zu fördern, und wehrhaft, um sich verteidigen zu können. Wichtig ist: Wir dürfen uns von den Gewalttätern dieser Welt nicht die Friedenwilligkeit rauben lassen. Denn es sind noch immer die Friedensstifter, die Jesus als glücklich preist (Matthäus 5,9). Und dass ganz am Ende Frieden sein wird, bezeugt die Bibel an vielen Stellen (z.B. Jesaja 2,2-4). Doch da sind wir noch nicht. Noch gibt es Krieg und Gewalt. Das ist die Realität.

Bieten wir den Gewalttätern die Stirn! Tun wir dies, indem wir alles für den Frieden tun, was in unserer Macht steht, uns aber auch als höchst wehrhaft erweisen. Beides zugleich, mit aller Entschiedenheit. Dann muss uns die Zukunft nicht schrecken.

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