Mit 74 Jahren: Freiwilligendienst auf einer Militärbasis in Israel

Mit 74 Jahren: Freiwilligendienst auf einer Militärbasis in Israel

Im Jahr 2013 war Rolf Weiss als Volontär auf einer Militärbasis in Zentral-Israel eingesetzt. Alle Fotos: privat

Was bringt jemanden dazu, mit fast 74 Jahren freiwillig als Volontär zum Militär zu gehen? Noch dazu ins Ausland, nach Israel? Rolf Weiss, langjähriger Freund und Unterstützer von Christen an der Seite Israels, hat sich auf dieses Abenteuer eingelassen und berichtet hier über seine Erfahrungen.

Von Rolf Weiss

Vor Jahren habe ich einmal einen Bericht über Israel in der Zeitung gelesen: „Ein Land, das sich Pazifismus nicht leisten kann.“ Der Beitrag war interessant, aber dann habe ich ihn zur Seite gelegt und vergessen. Nach längerer Zeit wurde ich plötzlich daran erinnert – und dann kam ganz schnell einiges in Gang: mehrere E-Mails – zuerst an Zeitungen und dann nach Jerusalem –, Infos, Gespräche, Fragebogen, ärztliches Attest, polizeiliches Führungszeugnis, offizielles Empfehlungsschreiben, Krankenversicherung und so weiter. Eben der übliche Sicherheitscheck, bevor man eine Militärbasis betreten darf. Denn genau das hatte ich vor: als Freiwilliger auf einer israelischen Militärbasis zu arbeiten.

Warum Israel?

Israel ist von vielen Feinden umgeben und muss deshalb wachsam sein. Schon einen Tag nach der Staatsgründung am 14. Mai 1948 wurde es von vier arabischen Staaten angegriffen, aber trotz erdrückender Übermacht nicht besiegt. Dann folgten 1956 der Suez-Krieg, 1967 der Sechs-Tage-Krieg, 1973 der arabische Überfall an Jom Kippur. Immer wieder Angriffe auf ein Land, das nur etwa so groß ist wie Hessen. Anschließend jahrelanger Raketenbeschuss vom Libanon und später vom Gazastreifen, der bis heute nicht aufgehört hat. Und immer wieder brutaler Terror, hauptsächlich gegen Zivilisten. Immer mit dem Ziel, den Judenstaat zu vernichten.

Israel kann nicht riskieren, einen Krieg zu verlieren – es wäre das Ende seiner Existenz. Für Pazifismus ist da kein Platz, den Luxus kann sich das Land nicht leisten. So braucht es eine starke Armee, eine Verteidigungsarmee. Israel hat für seine Armee höchste moralische Regeln festgelegt, auch wenn es immer wieder gezwungen wird, sich militärisch zu wehren. Oft wirken sich diese Regeln sogar zum eigenen Nachteil aus. Wer den Unterschied zwischen Angriffs- und Verteidigungskriegen noch nicht kennt, kann ihn hier sehr schnell lernen.

Ein Freiwilligen-Einsatz ist eine Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen zu schauen und selbst für zehn Tage bis zu drei Wochen den Alltag in einer Militärbasis hautnah zu erleben. Etwa 4000 Volontäre aus vielen Ländern aller Erdteile machen das jedes Jahr, davon etwa 50 aus Deutschland. Für alle ist es wohl auch ein Zeichen der Freundschaft zu einem Land, das seit 75 Jahren in einem erbitterten Überlebenskampf steht. Ein Land, das laut der Bibel Gott selbst als sein Land und sein Volk auserwählt hat.

Aus allen Teilen der Welt kommen Freiwillige, um für einen kurzen Zeitraum die israelische Armee zu unterstützen.

Für mich selbst war der Einsatz ein klares Signal an Israel, dass ich, wie viele andere Christen, zu Israel stehe. Obwohl ich das Land und die Menschen von vielen Reisen kenne, war ich doch immer erstaunt, wie herzlich sich die Israelis für unseren Einsatz bedankten. Das bisschen Arbeit allein kann nicht der Grund gewesen sein. Man hat in Israel ein feines Gespür dafür, wie Besucher zum Land stehen.

Als Freiwilliger in Uniform

Diese Einsätze werden organisiert von „Sar El“, das bedeutet etwa „Dienst für Israel“. Ja, Volontäre tragen bei der Arbeit Uniform. Nein, sie kommen nicht mit Waffendienst in Berührung. Zu tun sind meist einfache Arbeiten an der Ausrüstung, da die Zeit für eine Einarbeitung zu kurz wäre. Es soll eine Unterstützung für ein Volk sein, das wie kein anderes diffamiert, verleumdet und angegriffen wird; oft auch von Leuten ohne besonders böse Absicht, aber mit nur sehr einseitigen Informationen.

Um 7:15 Uhr gab es gemeinsames Frühstück, um 7:45 Uhr fand ein kurzer Appell mit Hissen der israelischen Flagge statt. Damit war der militärische Teil im Wesentlichen schon abgeschlossen. Um 12 Uhr gab es Mittag- und um 18 Uhr Abendessen – einfach, aber gut und reichlich. Unsere tägliche Arbeitszeit betrug etwas sechs bis sieben Stunden. Ich arbeitete in der medizinischen Abteilung. Das ist kein Lazarett, sondern eine Zentrale für Lagerung, Bereitstellung und Logistik. Wir sortierten, stellten zusammen und verpackten, hauptsächlich Ausrüstung für Einsätze in verschiedenen Camps. Ein Teil des von uns vorbereiteten Materials ging in ein Lazarett an der syrischen Grenze, in dem Verwundete aus dem syrischen Bürgerkrieg versorgt wurden – ohne zu fragen, ob es Zivilisten sind oder auf welcher Seite sie gekämpft haben, als Aufständische oder als Soldaten der syrischen Regierung unter Machthaber Baschar al-Assad.

In der medizinischen Abteilung der Militärbasis werden Hilfsmittel sortiert und verpackt.

Israel hat mit Abstand die beste medizinische Versorgung im ganzen Nahen Osten. Syrische Krankenhäuser waren durch den Krieg meist vollkommen überlastet und sind teilweise zerstört. Die Verwundeten wurden von Syrien oft an der Grenze abgelegt, dann holen die Israelis sie ab und bringen sie in Krankenhäuser in Israel, wo sie kostenlos versorgt werden.

Drei Hauptregeln für Volontäre

Bei unserem Einsatz waren zwei Soldatinnen Anfang 20 als Kontaktpersonen und Vorgesetzte der Volontäre freigestellt. Sie teilten die einzelnen Arbeitsgruppen ein, sorgten für die nötigen Informationen und gestalteten jeden Abend ein Infotreffen mit neuesten Nachrichten, Filmen, Vorträgen, Diskussionen und vieles mehr. Die Israelis haben in ihrer Armee eine harte Ausbildung, aber keinen militärischen Drill. Das gilt auch für die Volontäre. Wenn Arbeit da ist, wird intensiv gearbeitet, wenn gerade keine Aufgaben da sind, wird entspannt. Alles mit orientalischer Gelassenheit

Natürlich gibt es einige Regeln zu beachten. Die drei wesentlichsten Punkte sind: keine Bekehrungsversuche, keine Drogen, kein Alkohol. In dieser Reihenfolge.

Der jüdische Widerstand gegen christliche Bekehrungsversuche ist gut begründet. Durch keine Gruppe haben die Juden so viel gelitten wie von den Christen in den vergangenen 2000 Jahren. Sich in Israel offen als Christ zu bekennen, ist jedoch problemlos möglich. Ohnehin sagen Taten mehr als Worte – auch und gerade im Freiwilligendienst auf einer Militärbasis in Israel.

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