Plötzlich ist alles anders: Wie zwei junge Israelis den Hamas-Terror erlebt haben

Plötzlich ist alles anders: Wie zwei junge Israelis den Hamas-Terror erlebt haben

Abebe (Mitte) ist vor drei Jahren aus Äthiopien nach Israel eingewandert. Foto: Jewish Agency

Guy war auf dem Nova-Festival und entkam dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober nur knapp. Der 14-Jährige Adebe ist vor drei Jahren mit seiner Familie aus Äthiopien nach Israel eingewandert. Er fragt: „Warum hassen sie uns so sehr?“ Die CSI-Mitarbeiterinnen Marie-Louise Weissenböck und Delly Hezel berichten davon, wie die beiden jungen Israelis den sogenannten Schwarzen Schabbat erlebt haben.

Adebe (14): „Diesmal war es anders“

Von Marie-Louise Weissenböck

Die Vize-Präsidentin der israelischen Einwanderungsorganisation Jewish Agency, Danielle Mor, reiste gleich am Tag nach dem Massaker in das betroffene Gebiet. Sie erzählt: „Ich hatte das Privileg, Zeit mit bemerkenswerten Israelis zu verbringen, von denen jeder auf seine Weise ein Held ist.“

Einer davon war Abebe, der mit 14 Jahren eine Widerstandsfähigkeit entwickelt hat, wie sie viele Erwachsene nicht haben. Abebe war vor fast drei Jahren mit seiner Familie aus Äthiopien nach Israel eingewandert. Seitdem lebt er in einem Integrationszentrum in Ibim, nur sieben Kilometer vom Gazastreifen entfernt. Abebe ist ein hervorragender Schüler, ein Kantor in Ausbildung und leider an die Sirenen gewöhnt, die vor ankommenden Raketen warnen.

„Sie ermordeten die Kinder“

Doch was er und die etwa 600 anderen Neueinwanderer aus Äthiopien am 7. Oktober erlebten, war Angst in einer ganz anderen Dimension. Sie wurden angewiesen, sich in ihren sicheren Räumen einzuschließen, während um sie herum Sirenen, Raketen, Schüsse und Explosionen zu hören waren. So sehr seine Eltern auch versuchten ihn abzuschirmen, verstand Abebe nur zu gut, was passierte: „Wir hatten Angst, denn das war etwas anderes: Sie kamen auf dem Landweg, jeder hatte zwei Waffen, sie suchten uns, sie ermordeten die Kinder, sie kamen aus dem Boden.“

Die gesamte Ibim-Gemeinde wurde, sobald der Terror nachgelassen hatte, evakuiert und in das Zentrum Israels gebracht. Wie so oft bei Kindern, stellte Abebe die besten Fragen: „Warum passiert das? Warum hassen sie uns so sehr? Was wird mit denen geschehen, die entführt wurden? Woher wissen wir, dass so etwas nicht noch einmal passieren wird? Warum können wir nicht den ganzen Gazastreifen einnehmen?“ Danielle erklärte ihm, dass es in Gaza auch unschuldige Männer, Frauen und Kinder gibt und dass Israelis auch an sie denken müssten. Abebe fragte: „Wenn sie kein Mitleid mit uns haben, warum sollten wir dann Mitleid mit ihnen haben?“

Es ist klar, dass Abebe und seine Gemeinschaft in den kommenden Monaten Hilfe brauchen werden. Zehntausende Israelis werden nach dem Massaker Evakuierung, Erholung und Therapie benötigen.

Guy: „Wie ich fliehen konnte, weiß ich nicht“

Von Delly Hezel

Es ist nicht nur ein, sondern es sind sehr viele aneinander gereihte Wunder, dass Guy überlebt hat. Mein Wunder ist es, an seinem Bett zu sitzen und seine Geschichte hören zu dürfen.

Er hat schon mehrere Operationen hinter sich: Guy und seine Schwester im Krankenhaus. Foto: privat

Guy war mit einer Gruppe seiner Freunde auf dem Nova-Festival, als dieses von den Hamas-Terroristen überfallen wurde. Die meisten Israelis waren junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahre alt. Viele von ihnen überlebten nicht. Irgendwie konnte Guy mit seinen fünf engsten Freunden dem Massaker entfliehen. Wie, das weiß er nicht mehr.

Sie fanden in einem mobilen Bunker Schutz. Aber nur so lange, bis die Terroristen auch dort ankamen und eine Granate in den Bunker warfen. Als Guy diese auf sich zurollen sah, dachte er, dies werde sein Ende sein. Die Granate zerfetzte sein Bein und da die Terroristen dachten, er sei tot, schossen sie nicht weiter auf ihn. Drei seiner Freunde, die aus dem Bunker rannten, wurden erschossen. Nur Tamar hat schwerverletzt überlebt.

Rettung inmitten des Chaos

Guy konnte sich mit einem Gürtel das Bein abbinden. Sein Unterschenkel hing nur noch an etwas Haut. Er war einer der Ersten, der in Be‘er Scheva im Krankenhaus ankam. Selbst auf den Krankenwagen wurde noch geschossen. Es war völliges Chaos.

Inzwischen liegt Guy in der Rehaklinik in Tel Aviv. Er wurde schon achtmal operiert und die Ärzte kämpfen um sein Bein. Die Brutalität und Grausamkeit der Terroristen sind kaum zu beschreiben. Guy hat es am eigenen Leib erlebt und erlebt es noch. Er hat einen schweren Weg vor sich und eine starke Familie hinter sich.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 135. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.

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