Zahlenkrieg gegen Israel: Die Macht der Lüge im Kampf um die Deutungshoheit im Gaza-Krieg

Zahlenkrieg gegen Israel: Die Macht der Lüge im Kampf um die Deutungshoheit im Gaza-Krieg

Palästinenser erhalten Leichen zurück
Palästinenser erhalten die Leichen von Angehörigen, die im Gaza-Krieg ums Leben kamen. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90

Der Krieg, den die Hamas mit ihrem beispiellosen Angriff auf Israel am 7. Oktober begonnen hat, tobt nicht nur physisch im Gazastreifen, sondern auch medial, in internationalen Foren und in den sozialen Medien. Im Kampf um die öffentliche Meinung und Wahrnehmung hat die Hamas eine wirkungsmächtige Waffe ins Feld geführt: die Lüge.

Eine kommentierende Analyse von Josias Terschüren

Über das ihr unterstellte „Gesundheitsministerium“ von Gaza veröffentlicht die Hamas täglich Zahlen vermeintlicher Opfer des Krieges, die von UN-Institutionen ebenso wie von Medien weltweit 1:1, und meist nur mit knappen einordnenden Anmerkungen versehen, übernommen wurden. Auf dieser Nachrichtenlage basiert sämtliche Logik und jedes Narrativ, das Israel unverhältnismäßige Gewalt bis hin zum heraufbeschworenen Völkermord unterstellt.

Wunderwaffe der Hamas: getürkte Opferzahlen

Diese Hamas-Zahlen waren in vielerlei Hinsicht unwahr: Erstens verschleiern sie, wer die Toten sind, denn das Hamas-Gesundheitsministerium unterscheidet nicht zwischen getöteten Terroristen und Zivilisten. Die einen will Israel töten, die anderen nicht.

Zweitens stellt sich die Frage, wie die Toten gestorben sind und wer für ihren Tod verantwortlich ist. Die Hamas selbst hat nachweislich Zivilisten angegriffen und unzählige getötet. Die Raketen palästinensischer Terroristen, die bewusst und willkürlich gegen israelische Zivilisten abgeschossen werden, verfehlen vielfach ihr Ziel und gehen noch in Gaza nieder, wo sie ebenfalls für zivile Opfer sorgen, die in die Zahlen des „Gesundheitsministeriums“ einfließen, aber nicht von Israel zu verantworten sind.

So geschehen etwa am 17. Oktober, als eine Rakete auf dem Parkplatz des Al-Ahli-Krankenhauses in Gaza-Stadt einschlug. Bereits wenige Minuten später gab das „Gesundheitsministerium“ in Gaza die Zahl vermeintlicher Todesopfer mit 500 an, wie auch immer man diese in der Kürze der Zeit überhaupt gezählt haben wollte. Doch die internationalen Medien (auch die Tagesschau) übernahmen die Meldung, ohne sie zu hinterfragen. Als die israelische Armee Tage später nachwies, dass es sich um eine fehlgeschlagene Rakete des Palästinensischen Islamischen Dschihad gehandelt hatte und dass es weit weniger Opfer gegeben haben muss, war der Image-Schaden bereits angerichtet. Die völlig aus der Luft gegriffene Zahl von 500 ist seither weiterhin unkorrigiert Teil der täglich gemeldeten Hamas-Zahlen.

Drittens hat auch die Verteilung von Hilfsgütern zu tragischen Todesfällen unter Zivilisten geführt, die in Massenpaniken zu Tode getrampelt wurden. Seitdem Hilfsgüter über Gaza per Fallschirm abgeworfen werden, wurden immer wieder auch Zivilisten von diesen erschlagen. Auch kamen Zivilisten bei dem Versuch ums Leben, ins Meer gefallene Pakete zu bergen.

Und dann gibt es viertens noch diejenigen in Gaza, die aufgrund natürlicher Todesursachen wie Krankheit oder Alter sterben. Todeszahlen in Gaza sind also komplex, doch all diese Faktoren werden vom Hamas-geführten Gesundheitsministerium vernachlässigt oder unterschlagen.

Gaza-Tote bedeuten Druck und Isolation für Israel

Unter dem Strich geht es der Hamas genau darum: höhere vermeintliche Opferzahlen, die Israel zur Last gelegt werden, um dadurch nach dem Massaker vom 7. Oktober einen Umschwung der öffentlichen Meinung, Medienberichterstattung und größeren Druck seitens der internationalen Gemeinschaft auf Israel zu erreichen. Letztlich ist dies sogar das strategische Ziel des Hamas-Angriffes, Israel international zu isolieren und es für die USA und den Westen politisch kostspielig zu machen, weiterhin zu Israel und dessen Sicherheit zu stehen. Zudem entfesselt das lügengestützte Narrativ gegen Israel Antisemiten weltweit. Denn dass man den Israelis militärisch unterlegen ist und keine Chance auf dem Schlachtfeld haben würde, ist für die Araber seit mehr als 50 Jahren Gewissheit.

Bereits im März kamen Berichte heraus, in denen Statistiker die Zahlen ausgewertet haben, die seit rund einem halben Jahr von der Hamas kolportiert werden. Abraham Wyner etwa stellte im Tablet Magazine auf dieser Grundlage die Theorie auf, dass die Hamas pauschal 70 Prozent der Toten im Gazastreifen als Frauen und Kinder kategorisierte. Die Verläufe der Zahlen brachte auch andere Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die Zahlen statistisch unmöglich waren. Leider begannen kurz darauf auch US-Präsident Joe Biden, ausgerechnet in seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation, und US-Verteidigungsminister Lloyd Austin damit, die Hamas-getürkten Zahlen zu zitieren und ihnen damit weitere Legitimität zu verleihen.

Am 10. Mai veröffentlichte Israels Premier Benjamin Netanjahu endlich Israels Einschätzung bezüglich der Opferzahlen: Israel geht von mehr als 14.000 getöteten Hamas-Terroristen aus und von etwa 16.000 ungewollt getöteten Zivilisten.

Um diese Zahlen richtig lesen zu können, muss berücksichtigt werden, dass es sich um urbane Kriegsführung gegen einen seit Jahrzehnten eingebetteten und in einem massiven Tunnelsystem unter ziviler Infrastruktur verborgenen Feind handelt. Dieser kämpft, selbst als Zivilist getarnt, unter Zivilisten und durch den zynischen Missbrauch der eigenen Bevölkerung als menschliche Schutzschilde.

Israelische Kriegsführung in Gaza setzt neue Standards

John Spencer, Leiter des Lehrstuhls für urbane Kriegsführung an der US-Militärakademie Westpoint, attestiert der israelischen Armee in einem Interview mit Caroline Glick vom Jewish News Syndicate (JNS), ein noch nie dagewesenes Verhältnis von fast 1:1 von getöteten Kombattanten zu Zivilisten erreicht zu haben. Die UN-Statistiken weisen für ähnliche Konflikte ein 1:9-Verhältnis aus. Seiner Einschätzung nach habe keine Armee der Welt je effektiver zivile Opfer vermieden. Was die israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) erreicht haben, sollte in den kommenden Jahrzehnten von anderen Streitkräften studiert werden.

Glaubwürdigkeitsverlust: die UN als Erfüllungsgehilfe der Hamas

Es ist unmöglich, festzustellen, wie viele Menschen im Gaza-Krieg tatsächlich ums Leben gekommen sind und durch wen. Der Umstand, dass viele Medien und internationale Institutionen den Lügen der Hamas mehr Glauben schenken als einer liberalen und robusten Demokratie, ist ein Offenbarungseid. Die UN hat sich zum Erfüllungsgehilfen der Hamas gemacht und Israel und Juden weltweit einen schrecklichen Preis mit der Verbreitung der Hamas-Zahlen abverlangt. Dass sich OCHA, das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten, nun – sieben Monate später – still und heimlich hinter der Floskel von „im Nebel des Krieges“ zu verstecken sucht und die eigenen Zahlen bezüglich der Opfer unter Frauen und Kindern über Nacht vom 6. auf den 8. Mai mal eben um die Hälfte senkt, ist ein Skandal sondergleichen.

Es ist an der Zeit, den Zahlenkrieg der UN auch für sie selbst zu einem Zahlenkrieg werden zu lassen und deutsche Zahlungen an die UNO von klaren Änderungen ihres Vorgehens und der von ihr vertretenen und verteidigten Werte abhängig zu machen.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 137. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.

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