Das Wochenfest Schawuot: Erntedank und Gottes Heiliger Geist

Das Wochenfest Schawuot: Erntedank und Gottes Heiliger Geist

An Schawuot danken Juden Gott für die Ernte, die ersten Früchte und für die Tora. Foto: Ri_Ya, Pixabay

Am Abend des 11. Juni beginnt das Wochenfest Schawuot. Juden erinnern damit an die Offenbarung Gottes am Berg Sinai und den Empfang der Tora, der Weisungen Gottes für ein heiliges Leben. Zugleich ist es ein Erntedankfest. Vor rund 2000 Jahren gab Gott mitten in dieses Fest hinein seinen Heiligen Geist.

Das zweite große jüdische Fest nach Pessach ist das Wochenfest Schawuot. Es wird sieben Wochen beziehungsweise 50 Tage nach Pessach gefeiert. Daher der Name Wochenfest (sieben Wochen) sowie der Name Pfingsten (pentecoste = fünfzigster). Das Wochenfest heißt auch Seman Mattan Toratenu (Zeit der Verleihung unserer Tora), weil Israel circa sieben Wochen nach dem Auszug aus Ägypten am Sinai die Tora empfangen hat: die Weisungen Gottes für ein heiliges Leben. Deshalb ist Schawuot ein Bundes- und Torafest und man erinnert sich an die Offenbarung Gottes am Berg Sinai. Ferner wird es Tag der Erstlinge genannt, weil zu der Zeit die erste Ernte abgeschlossen war und die ersten Gaben Gott dargebracht wurden.

In der Tempelzeit war auch Schawuot ein Wallfahrtsfest. Ganz Israel pilgerte nach Jerusalem, brachte im Tempel die Erstlinge dar und feierte gemeinsam das zweitägige Wochenfest. Heute findet das Fest weltweit in den Synagogen statt. Im Gottesdienst wird die Offenbarung am Sinai mit den Zehn Geboten verlesen (2. Mose 19-20). Die Synagogen und die Wohnungen werden mit frischem Grün und Blumen geschmückt. Viele Juden studieren aus Dankbarkeit die ganze Nacht über die Tora.

Pfingsten – die Ausgießung des Heiligen Geistes

Mitten hinein in diese große Feierlichkeit in Jerusalem gab Gott den Heiligen Geist (Apostelgeschichte 2) – ein aufsehenerregendes Ereignis. Dass eines Tages der Geist Gottes ausgegossen würde, war den Juden bekannt. Denn dies war in der Schrift verheißen. Aber das miterleben zu dürfen, war zweifellos etwas Besonderes. Entscheidend ist: Der Geist steht in enger Verbindung mit der Tora. In Hesekiel 36,26 heißt es, dass Gott seinem Volk einen „neuen Geist“ geben wird, so dass die Herzen der Juden erneuert werden. Ganz ähnlich Jeremia 31,31-34: Dort verheißt Gott, dass er eines Tages die Tora in das Innere seines Volkes legen und sie auf ihre Herzen schreiben wird. Kurz: Der Geist Gottes erneuert die Herzen der Juden, indem er sie mit der Tora synchronisiert.

Den Heiligen Geist erhalten auch Nichtjuden

Doch dabei bleibt es nicht. Im Verlauf der Apostelgeschichte kann man sehen, dass der Heilige Geist auch Nichtjuden gegeben wird. Wer auch immer zum Glauben an Jesus kommt, bekommt den Heiligen Geist. Das war für die Apostel damals eine Überraschung. Damit wurde aber klar, dass die erlösende Kraft Jesu, die durch den Heiligen Geist wirksam wird, nicht nur Juden gilt, sondern auch den Nationen. Nicht umsonst hat schon Joel prophezeit, dass der Geist Gottes eines Tages auf „alles Fleisch“ ausgegossen werden wird (Joel 3,1). Nun – nach Pfingsten – schreibt der Geist Gottes die Tora auch in die Herzen von Nichtjuden, von Menschen aus der Heidenwelt.

Tora und Heiliger Geist gehen Hand in Hand

Von daher ist es Humbug, wenn Christen meinen, sie hätten mit der Tora nichts zu tun. Die Tora ist der Wille Gottes und sie ist „heilig, gerecht und gut“ (Römer 7,12). Sie ist es, die unsere Herzen transformiert. Dies gilt natürlich nur für die Gebote, die etwas mit dem Herzen zu tun haben: Gebote, die den Lebenswandel und das Zusammenleben betreffen, die Moral und die Ethik. Alle anderen Gebote (Speisegebote, Tempelordnungen, Rechtssatzungen u. ä.) betreffen uns nicht. Sie sind Israel gegeben, um zu regeln, wie Gottes Volk im Heiligen Land leben soll. Die Tora-Anweisungen fürs Leben stimmen mit dem Heiligen Geist überein, zugleich gehören auch die Sünde und unser „Fleisch“ zusammen. Deshalb kann Paulus sagen: „Wer im Geist lebt, der hält die Tora, wer die Tora nicht hält, der lebt im Fleisch.” (Römer 8,1-4)

Die Transformation unserer Herzen ist allerdings kein Selbstläufer. Unser Herz ist wie ein Acker, der vom Geist bewässert wird. Der Same aber ist die Tora! Wenn sie in uns wurzelt, bringt sie viel Frucht. Wir sollten wie die Juden intensiv Tora studieren, allerdings in Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist, und wir sollten uns vom Geist immer wieder zum Studium der Tora bewegen lassen. Dann wird unser Herz verwandelt und bringt viel gute Frucht.

Noch ein Grund zur Freude

Pfingsten ist zuletzt auch das Fest, an dem Jesus die „Erstlinge“ der messianischen Bewegung (Jesus gläubige Juden) Gott darbringt: die Ersten der neuen „Ernte“, die Ersten eines erneuerten Israel. Das ist ein Grund zur Freude!

Das Ausgießen des Geistes fand nicht zufällig an Schawuot statt. Als großes Pilgerfest, als Fest der Tora und der Erstlinge war Schawuot der ideale Tag dafür. Da Jerusalem in jenen Tagen voller Festpilger war, wurden Tausende vom Evangelium erfasst und empfingen den Heiligen Geist. Eine neue Zeit war angebrochen.

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