Feiertag und nationales Trauma: Der Jom-Kippur-Krieg 1973

Feiertag und nationales Trauma: Der Jom-Kippur-Krieg 1973

Jom-Kippur-Krieg: israelische Panzer überqueren den Suez-Kanal. Foto: Israel Defense Forces/flickr (CC BY-NC 2.0)

Am 6. Oktober 1973 hielt Israel seinen höchsten Feiertag Jom Kippur. Das gesamte öffentliche Leben stand still, auch Rundfunk und Fernsehen sendeten nicht. An diesem Tag griffen ägyptische und syrische Truppen Israel an – der Angriff traf den jüdischen Staat völlig unerwartet und unvorbereitet. Ziel der Allianz war es, die von Israel im Sechs-Tage-Krieg 1967 eroberten Golanhöhen und die Sinai-Halbinsel zurückzugewinnen. Verhandlungen über eine Rückgabe lehnten arabische Staaten kategorisch ab.

Aufgrund des strengen Feiertages und einer Fehleinschätzung der Vorzeichen durch ihre Regierung erlitten die Israelis zunächst hohe Verluste – Israel stand einen Moment lang am Rande einer Niederlage. Doch nach zwei Tagen kontrollierte die israelische Armee wieder die Golanhöhen und drang zudem auf ägyptisches und syrisches Staatsgebiet vor.

Der Krieg endete am 24. Oktober 1973 mit einem Waffenstill stand. Auf Druck der USA nahmen Israel und Ägypten im Oktober des gleichen Jahres Friedensverhandlungen auf, die am 11. November 1973 mit einem Waffenstillstandsabkommen besiegelt wurden und 1979 zu einem Friedensabkommen führten. In der Folge gab Israel die Sinai-Halbinsel an Ägypten zurück und wurde im Gegenzug von Ägypten als Staat anerkannt – es war die erste offizielle Anerkennung Israels durch einen arabischen Staat.

Ein nationales Trauma

Der Jom-Kippur-Krieg war der vierte arabisch-israelische Krieg im Nahostkonflikt und auf beiden Seiten mit hohen Verlusten verbunden. Etwa 2700 Israelis sowie mehr als 18.000 Ägypter und Syrer starben. Israels damalige Premierministerin Golda Meir trat aufgrund dessen und der Vorwürfe der außenpolitischen Fehleinschätzung im April 1974 von ihrem Amt zurück. Es blieb eine tiefe Traumatisierung der israelischen Öffentlichkeit, die ihre Armee bis dahin für unbesiegbar gehalten hatte.

Der Versöhnungstag Jom Kippur gilt als der höchste Feiertag des Judentums. Er ist ein Tag der Einkehr und Besinnung und beendet eine zehntägige Zeit der Buße, in der die jüdische Gemeinschaft aufgerufen ist, sich mit ihren Mitmenschen zu versöhnen. An Jom Kippur wird streng gefastet und das öffentliche Leben steht für rund 25 Stunden still.

Nach dem jüdischen Kalender wird Jom Kippur am 10. Tag des Monats Tischri begangen und fällt im gregorianischen Kalender auf einen Tag im September oder Oktober.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 134. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.

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