Islamistische Terror-Organisation: Die Hamas im Konflikt mit Israel

Islamistische Terror-Organisation: Die Hamas im Konflikt mit Israel

ben für den Kampf gegen Israel: Die Issadin-al-Kassam-Brigaden der Hamas im Jahr 2013. Foto: Fars Media Corporation | CC BY 4.0 International

Seit Ende der 1980er Jahren verübt die Hamas Terror-Anschläge gegen Israel. Von der Ruhe der vergangenen Jahre ließ sich der jüdische Staat täuschen.

„Die Hamas und der Islamische Staat sind Zweige desselben Baumes. Wir sind mit der gleichen Barbarei konfrontiert. Leute, die mutwillig Raketen auf unsere Städte schießen und Massenmorde verüben wollen. Und wenn sie es können, morden sie Kinder, Teenager, und schießen ihnen in den Kopf.“

Diese Worte stammen vom israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu. Er äußerte sie aber nicht nach dem terroristischen Großangriff der Hamas mit mehr als 900 Todesopfern am vergangenen Samstag. Er sagte dies bereits vor neun Jahren, nach der Militär-Operation „Starker Fels“ gegen die Hamas im Gazastreifen im Sommer 2014.

Am Montag war Netanjahu einmal mehr genötigt, diesen Vergleich zwischen dem Islamischen Staat (IS) und der Hamas heranzuziehen. Anders als vor neun Jahren waren dieses Mal die Worte „wollen“ und „wenn sie es können“ zu streichen: Die Hamas konnte tun, was sie wollte, und sie tat es. Und anders als vor neun Jahren dürfte die Weltgemeinschaft Netanjahu dieses Mal zuhören.

Versuch der Kommunikation

Tatsächlich hat die israelische Regierung im Sommer 2014 angefangen, derartige Vergleiche anzustellen. Ziel war es, der Welt zu verdeutlichen, mit was für einer Brutalität Israel konfrontiert ist. Unmittelbarer Anlass war die Enthauptung des amerikanischen Journalisten James Foley durch den IS. Netanjahu ergänzte damals: „Sie (der Hamas und der IS) sind Feinde des Friedens, Feinde Israels, Feinde der zivilisierten Länder. Und ich glaube, sie sind selbst Feinde der Palästinenser.“

Was die Brutalität angeht, nehmen sich Hamas und IS nicht viel. Besonders Mitte der 2010er Jahre tauchten regelmäßig Berichte über Enthauptungen und Schändungen durch den IS auf. Die Terrorgruppe hat aber auch Massaker im großen Stil verübt. Anfang August 2014 etwa ermordeten die Terroristen rund 5.000 Jesiden im nordirakischen Sindschar. Sie massakrierten alle, die nicht zum Islam konvertieren wollten.

Differenzen unter Terroristen

Die beiden Gruppen unterscheiden sich aber auch in entscheidenden Aspekten. Es mag nach dem terroristischen Großangriff zynisch klingen, aber die Hamas ist im Vergleich zum IS pragmatisch eingestellt: Sie ließ sich auf westliche politische Strukturen ein, beteiligte sich etwa 2006 an den palästinensischen Parlamentswahlen, aus denen sie als Sieger hervorging. Aus Sicht des IS blüht den Hamas-Terroristen für so einen „Frevel“ das Höllenfeuer. Im Gegensatz dazu sieht es der IS darauf ab, direkt das Kalifat zu errichten und auszuweiten; in seiner Hochzeit gelang ihm dies auch.

Anders als der IS hat die Hamas eine nationalistische Agenda: Ihr Kernanliegen ist laut der Charta von 1988 ein „Palästina vom Fluss bis zum Meer“, also die Zerstörung Israels. Der Konflikt ist für sie politisch, vor allem aber religiös: Juden müssen getötet werden, „Palästina“ gilt als islamisches Land, „der Islam“ wird Israel auslöschen.

Terror gegen Oslo

Die Organisation ist ein Ableger der ägyptischen Muslimbruderschaft. Sie entstand in den 1980er Jahren zunächst als Wohlfahrtseinrichtung. Berichte über erste Waffenlagerungen in Moscheen ignorierte Israel weitgehend: Der Hauptfeind war damals die säkulare Fatah unter dem Dach der „Palästina-Befreiungsorganisation“ (PLO). Israel erhoffte sich von der Hamas ein „Gegengewicht“ zur Fatah.

1988 veröffentlichte die Hamas ihre israel- und judenfeindliche Charta, 1989 verübte sie den ersten Terrorangriff auf Israelis, als sie zwei Soldaten entführte und tötete. In den 1990er Jahren sollten viele weitere Anschläge folgen, auch um den von der PLO unterstützten Oslo-Prozess zu sabotieren. Bereits 1991 wurde ihr militärischer Zweig gegründet, die Isadin-al-Kassam-Brigaden.

Nach dem Wahlsieg im Jahr 2006, den der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) Mahmud Abbas nicht anerkannte, übernahm die Hamas im Jahr 2007 in einem blutigen Konflikt die Kontrolle im Gazastreifen. Seither kam es immer wieder zu teils massivem Raketenbeschuss und zu größeren Militärkonflikten mit den Israelis: Gegossenes Blei (2008/09), Wolkensäule (2012) und Starker Fels (2014).

Fatales Entgegenkommen

Im Jahr 2018 griff die Hamas zu einer neuen „Kampagne“ gegen Israel: Sie ließ Brandballons und Branddrachen auf Israel fliegen und veranstalte gewaltsame Aufstände am Gaza-Grenzzaun. Große Teile von Feldern und Waldgebieten wurden verheert. Bei den Gewaltaufständen waren auch Hakenkreuz-Flaggen zu sehen.

Zuletzt versuchte es Israel mit einem Entgegenkommen: Der Golfstaat Katar durfte regelmäßig Gelder in den Gazastreifen überweisen, während Israel im großen Stil den Bewohnern des Gazastreifens Arbeitserlaubnisse erteilt. Im Jahr 1986 hatten noch 46 Prozent der Bewohner des Gazastreifens in Israel gearbeitet. Doch 2005 kam es nach den Erfahrungen zweier „Intifadas“ zu einem Arbeitsstopp – auch um den israelischen Abzug aus dem Gazastreifen voll durchzuziehen.

Mit der Zeit wurden jedoch wieder Arbeitsgenehmigungen erteilt – mit dem Ziel, die Hamas einzuhegen. Unter der Regierung von Naftali Bennett (2021–2022) wurde diese Politik ausgebaut: Im August 2022 waren es 11.000 Arbeitsgenehmigungen, zuletzt unter Netanjahu 20.000.

Da es nach dem Konflikt vom Mai 2021 relativ ruhig blieb, waren die Politiker Israels der Ansicht, dass sich diese Politik des Entgegenkommens bewährt. Die Hamas vermittelte zudem den Eindruck, derzeit nicht an einem Konflikt mit Israel interessiert zu sein. Am Samstag wurde das Ausmaß dieser Täuschung klar. (Daniel Frick/Israelnetz)

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