Zeugnisse jüdischer Geschichte: Unterwegs auf der 2000 Jahre alten „Pilgerstraße“ am Teich von Siloah

Zeugnisse jüdischer Geschichte: Unterwegs auf der 2000 Jahre alten „Pilgerstraße“ am Teich von Siloah

Noch ist der Tunnel für die Öffentlichkeit gesperrt. Doch im Rahmen des „Christlichen Mediengipfels“ durfte CSI-Redaktionsleiterin Dana Nowak gemeinsam mit Medienschaffenden aus aller Welt die Ausgrabung der Pilgerstraße besichtigen. Alle Fotos: CSI
Noch ist der Tunnel für die Öffentlichkeit gesperrt. Doch im Rahmen des „Christlichen Mediengipfels“ durfte CSI-Redaktionsleiterin Dana Nowak gemeinsam mit Medienschaffenden aus aller Welt die Ausgrabung der Pilgerstraße besichtigen. Alle Fotos: CSI

In Jerusalem dürfen sich Besucher auf eine neue archäologische Attraktion freuen: Der bereits in der Bibel erwähnte Teich von Siloah soll vollständig freigelegt werden. Parallel dazu laufen die Ausgrabungen einer rund 2000 Jahre alten Straße weiter, die einst von dem Teich hinauf zum Zweiten Tempel führte.

Die israelische Altertumsbehörde, die Nationalparkbehörde und die „City of David Foundation“ haben die vollständige Ausgrabung des historischen Teichs von Siloah angekündigt. Im Jahr 2004 hatten Archäologen die Stätte im südlichen Teil der Davidsstadt außerhalb der Altstadtmauern entdeckt und in der Folge mehrere Stufen freigelegt. Die neuen Ausgrabungen werden mehrere Monate dauern. Voraussichtlich in einem Jahr soll die Stätte für die Öffentlichkeit zugänglich sein, heißt es in der Ende Dezember veröffentlichten Mitteilung.

Der Teich Siloah in der Bibel

Angelegt wurde der Teich während der Herrschaft von König Hiskia vor etwa 2700 Jahren als Teil des Jerusalemer Wassersystems. In der Bibel heißt es dazu in 2. Könige 20,20: „Was mehr von Hiskia zu sagen ist und alle seine tapferen Taten und wie er den Teich und die Wasserleitung gebaut hat, durch die er Wasser in die Stadt geleitet hat, siehe, das steht geschrieben in der Chronik der Könige von Juda.“

In dem Teich wurde das Wasser der Gihon-Quelle gesammelt, das durch einen unterirdischen Wassertunnel abgeleitet wurde. Aufgrund seiner Lage und Bedeutung wurde der Teich von Siloah vor etwa 2000 Jahren renoviert und erweitert. Archäologen gehen davon aus, dass er in dieser Zeit als rituelles Bad von Millionen von Pilgern genutzt wurde. Diese reinigten sich dort, bevor sie durch die Stadt Davids zum Tempel hinaufstiegen.

In der Bibel kommt der Teich an mehreren Stellen vor. Unter anderem bei der Heilung eines Blinden in Johannes 9,7: „ … und (Jesus) sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.“

Einige Stufen des Teiches von Siloah sind bereits freigelegt und für Touristen zugänglich. Rechts befindet sich eine hohe Felswand. Nach links sollen die Ausgrabungen nun weitergehen.

Bereits im Jahr 1880 war nur wenige Dutzend Meter vom Teich entfernt in dem unterirdischen Tunnel die sogenannte Siloam-Inschrift entdeckt worden. Die auf Althebräisch verfasste Inschrift befindet sich heute im Archäologischen Museum der Stadt Istanbul, da zur Zeit ihrer Entdeckung die Türken über das Gebiet herrschten. Die Inschrift beschreibt, wie das Wasser der Quelle während der Herrschaft von König Hiskia in den Teich umgeleitet wurde.

Der Bürgermeister von Jerusalem, Moshe Lion, begrüßte den Beginn der umfassenden Ausgrabungen. Er sagte laut einer Mitteilung des israelischen Außenministeriums: „Der Teich von Siloah im Davidstadt-Nationalpark in Jerusalem ist ein Ort von historischer, nationaler und internationaler Bedeutung. Nach vielen Jahren der Vorfreude werden wir bald in der Lage sein, diese wichtige Stätte freizulegen und sie für die Millionen von Besuchern, die jedes Jahr nach Jerusalem kommen, zugänglich machen.“

Jerusalems Bürgermeister Moshe Lion, hier mit CSI-Redaktionsleiterin Dana Nowak, begrüßt den Beginn der vollständigen Ausgrabungen des Teiches Siloah. Der Ort sei von nationaler und internationaler Bedeutung.

Auf den Spuren der Vorfahren

Laut der israelischen Altertumsbehörde ist die gesamte Stätte rund um den Teich Siloah seit mehr als 150 Jahren ein Anziehungspunkt für Archäologen und Wissenschaftler aus aller Welt. Während mit der Freilegung des kompletten Teiches Anfang 2023 begonnen wurde, läuft seit 2004 eine weitere Ausgrabung auf Hochtouren: Der sogenannte Pilgerweg wird Zentimeter um Zentimeter freigelegt. Diese einstige römische Prachtstraße führte vom Teich Siloah hinauf zum Zweiten Tempel.

Noch ist nur ein kleiner Abschnitt für die Öffentlichkeit zugänglich, der größte Teil ist gesperrt. Doch im Rahmen des vom Außenministerium der israelischen Regierung veranstalteten „Christlichen Mediengipfels“ durfte eine Gruppe von rund 150 christlichen Medienschaffenden aus aller Welt die Stätte im Dezember besichtigen.

Archäologen gehen davon aus, dass die Pilgerstraße etwa 30 bis 31 nach Christus entstand, zur Zeit des römischen Landpflegers Pontius Pilatus. Bereits 40 Jahre später wurde sie bei der Zerstörung Jerusalems verschüttet. Im Laufe der Jahrhunderte lagerten sich durch Aufbau und Zerstörung der Stadt unter verschiedenen Herrschern immer neue Schichten ab und sorgten dafür, dass die Straße gut erhalten blieb.

Eine rekonstruierte Karte zeigt Jerusalem zur Zeit des Zweiten Tempels.

Begangen wurde die etwa rund 600 Meter lange Straße vor allem von jüdischen Pilgern, die an den Festen Sukkot, Pessach und Schawuot zum Tempelopfer nach Jerusalem reisten. Nachdem sie sich im Teich Siloah gereinigt hatten, zogen sie über die Prachtstraße hinauf zum Tempel. Gesäumt wurde die Straße rechts und links von kleinen Geschäften und Ständen. Händler boten dort Lebensmittel, Opfertiere, Souvenirs aus Jerusalem, Kleidung oder die Möglichkeit, Geld zu wechseln an.

Hohe Ingenieurskunst

Die Straße verläuft unter dem Jerusalemer Stadtteil Silwan, der heute vorwiegend von israelischen Arabern bewohnt wird. Möglich sind die unterirdischen Ausgrabungen durch hohe Ingenieurskunst. Der Tunnel wird durch eine Stahlkonstruktion gestützt. Die archäologischen Arbeiten werden von Ingenieuren begleitet und nur sehr vorsichtig vorangetrieben, um das Wohnviertel darüber nicht zu gefährden. Finanziert werden die Ausgrabungen von der israelischen Regierung und privaten Spendern.

Der Tunnel wird durch eine aufwändige Stahlkonstruktion gestützt.
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