Hilfsprojekte: Junge Wegbegleiter für Überlebende der Schoah

Hilfsprojekte: Junge Wegbegleiter für Überlebende der Schoah

Verbunden durch eine besondere Freundschaft: die Studentin Amit und der Holocaust-Überlebende Yosef. Foto: privat

Von Keren Hayesod und Christen an der Seite Israels

Manche Freundschaften erscheinen auf den ersten Blick unglaublich – und doch gibt es sie. Die zwischen Yosef und Amit etwa. Der 91-jährige Yosef hat als Kind den Holocaust überlebt, nach dem Krieg wanderte er nach Israel ein und fand dort ein sicheres Zuhause. Vor einiger Zeit hat Yosef Amit kennengelernt. Die Studentin ist fast 70 Jahre jünger und engagiert sich in einem Hilfsprojekt für Holocaust-Überlebende.

„Ich mag es nicht, allein zu sein. Wenn Amit mich besucht, ist der Raum mit so viel Licht erfüllt“, sagt Yosef über die 24-Jährige, die im Interview sofort ergänzt: „Yosef lacht viel, hat einen großartigen Sinn für Humor und ist ein gesprächiger Mensch. Ich sage immer: Yosef ist mein Freund.“

Ermöglicht wird diese Freundschaft durch ein Projekt, das wir als Christen an der Seite Israels gemeinsam mit der Wohltätigkeitsorganisation Keren Hayesod e.V. mit großer Freude unterstützen: Seit 2017 engagieren sich die Ehrenamtlichen des Projektes „Choosing Tomorrow – La’ad“ gegen die Vereinsamung hochbetagter Holocaust-Überlebender und für die Bewahrung ihrer Lebensgeschichten.

Viele Überlebende berichten von dem Gefühl, von ihrer lokalen Gemeinschaft abgekoppelt zu sein und an kulturellen und sozialen Aktivitäten nicht teilnehmen zu können. Dieses Projekt soll dem entgegenwirken. Es bringt fürsorgliche und leistungsstarke Studenten mit Holocaust-Überlebenden zusammen und schafft ein generationenübergreifendes Gefühl der Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Im Rahmen wöchentlicher Treffen lindern die jungen Menschen durch Gespräche und gemeinsame Aktivitäten nicht nur die oftmals altersbedingte Einsamkeit. Dank spezieller Schulungen über die rechtlichen Aspekte staatlicher und karitativer Leistungen für Holocaust-Überlebende unterstützen sie die Senioren auch bei der Bewältigung bürokratischer Angelegenheiten und des Haushalts sowie bei Terminen und Besorgungen – etwa von Lebensmitteln und Medikamenten.

Für jeden Überlebenden wird ein ganz persönliches Betreuungskonzept entwickelt, das auf die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Person zugeschnitten ist. Etwa ein Drittel der rund 150.000 Holocaust-Überlebenden in Israel ist armutsgefährdet oder lebt bereits unterhalb der Armutsgrenze. Auch eine finanzielle Unterstützung dieser Menschen ist von „Choosing Tomorrow – La’ad“ vorgesehen. Zusätzlich zu der Betreuung erhalten altersarme Holocaust-Überlebende jeden Monat 225 Euro aus dem Projekt, um beispielsweise Ausgaben für Medikamente und Lebensmittel besser bewältigen zu können.

Erinnerungen bewahren

Eine besonders wichtige Aufgabe der jungen Begleiter besteht in der Bewahrung der Lebensgeschichte der alten Menschen. Ihre Erinnerungen an das nationalsozialistische Menschheitsverbrechen dürfen nicht verloren gehen und müssen zukünftigen Generationen Mahnung sein, sich entschieden gegen jede Form des Antisemitismus zu stellen. Aus diesem Grund sind die bei „Choosing Tomorrow – La’ad“ Engagierten damit betraut, die Biografien der Überlebenden zu dokumentieren und an die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem weiterzuleiten. Dort werden die Niederschriften aufbewahrt, katalogisiert und digitalisiert, auf dass sie niemals in Vergessenheit geraten.

„Choosing Tomorrow – La‘ad“ ist ein ganzheitliches Programm, bei dem die Studenten mit einem Programmkoordinator zusammentreffen, der ihnen Seminare und Aktivitäten anbietet. In diesen werden sie mit der besonderen Rolle vertraut gemacht, die gerade junge Menschen im Leben von Holocaust-Überlebenden spielen können. Der Programmkoordinator bietet den Freiwilligen auch Anleitung und Unterstützung bei der Verarbeitung ihrer Gefühle an.

Aktuell steckt „Choosing Tomorrow – La’ad“ sprichwörtlich noch in den Kinderschuhen, doch das Projekt hat großes Wachstumspotenzial. Über seniorengerecht gestaltete Veranstaltungen soll es bekannter werden und eine steigende Zahl an Teilnehmern erreichen. Auch geografisch sollen die Aktivitäten auf das gesamte israelische Staatsgebiet ausgeweitet werden. Dabei wollen wir als Christen an der Seite Israels dieses Projekt unterstützen.

Und Yosef und Amit? Sie werden auf jeden Fall Freunde bleiben. Das haben sie einander versprochen.

Helfen Sie uns, den Holocaust-Überlebenden einen Lebensabend in Würde zu ermöglichen? Jede Spende zählt (Spendenzweck: Holocaust-Überlebende)!

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Zeitung „Israelaktuell“, Ausgabe 133. Sie können die Zeitung hier kostenlos bestellen. Gerne senden wir Ihnen auch mehrere Exemplare zum Auslegen und Weitergeben zu.

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